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Malerei.Poesie.Musik.

Projektarbeit an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd

Autor:

»Die einzelnen Bereiche der Kunst stehen häufig für sich: Malerei, Poesie und Musik werden unabhängig voneinander betrachtet. Sie sind miteinander kaum vergleichbar. Ein Kodierungssystem wurde entwickelt, um diese Kunstformen doch vergleichbar zu machen.«

»Doch wie kodiert man nun Kunst, um sie zu vergleichen? Ausgangspunkt waren ein Gemälde, ein Gedicht und ein Musikstück des 20. Jahrhunderts. Es gilt diese einzelnen Kunstwerke auf den kleinsten Nenner zu bringen. Die kleinsten Nenner sind Quadrat, Silbe und Ton. Diese Elemente können als geometrische Teile in die digitale und reale Welt transformiert werden, so dass die Betrachter später mit diesen Elementen arbeiten können.

Es ist möglich, die digitalen Elemente sichtbar zu machen, man kann sie hören oder dreidimensional darstellen. So lassen sich unterschiedliche Kunstwerke aus Musik, Poesie und Malerei zum Beispiel gleichzeitig betrachten oder hören. Denn diekleinsten Teile geben ein Muster, das Vergleiche möglich macht. Das Ziel ist es, dem Benutzer einen neuen Zugang zur Kunst zu verschaffen. Zugleich kann das Projekt Menschen ohne künstlerische Vorbildung helfen, Kunst zu verstehen. Eine weitere Einsatzmöglichkeit wäre zum Beispiel eine Kunst- oder eine Museumsausstellung. Eine dritte Möglichkeit wäre der barrierefreie Ansatz. Menschen mit Sehbehinderungen könnten Gemälde hören, taube Menschen könnten Musik sehen.«

Dokumentation, Details und das Projekt kann man hier ansehen und noch besser begutachten. Besonders empfehlenswert finde ich die kleine Animation über die Arbeit, die in wenigen Minuten das Projekt sehr gut beleuchtet.

Stefanie Busse und Angela Nägele, die bereits an der Hochschule Schwäbisch Gmünd diplomiert haben, starteten im 7. Semester ein Projekt, für das sie den Red Dot Design Junior Award 2007 erhielten.


Slanted hat die beiden interviewt:

Slanted: Gib uns bitte ein paar Informationen über Dich und/oder die Firma, für die Du arbeitest.

Angie: Wir haben beide im März 2004 mit unserem Studium an der HfG Schwäbisch Gmünd begonnen und uns auch gleich kennen gelernt. Nach unserem Grundlagenstudium bearbeiten wir dann unser erstes Projekt zusammen. Daraufhin folgten drei weitere gemeinsame Projekte, sowie unsere Diplomarbeit.

Stefie: Und im Moment sind wir nun beide noch auf Jobsuche, ich vorwiegend in Berlin. Nebenbei bin ich als Freelancer tätig.

Slanted: Was ist Deine Grafikdesign Richtung? Wie würdest Du Deinen Stil bezeichnen? Wo liegen Deine Stärken?*

Stefie: Mein Augenmerk liegt auf Konzeption und Umsetzung in digitaler Form wie Film, Animation oder Screendesign. Parallel dazu finde ich durchaus printartige Umsetzungen sehr wichtig und auch sehr interessant.

Angie: Eine spezielle Richtung oder einen Stil habe ich noch nicht eingeschlagen. Meine Vorliebe gilt aber Projekten im Bereich Corporate Identity und User Interface. Dabei reizt mich vor allem das methodische und konzeptionelle Arbeiten, worin ich auch meine Stärke sehe.

Slanted: Wo arbeitest Du am liebsten?

Stefie: Am liebsten arbeite ich an meinem MacBook, in einem Café mit einem Latte Macchiato und einem Schokobrownie bei chilliger Backgroundmusik.

Angie: Schwer zu sagen. Eigentlich brauche ich zum Arbeiten nur mein Skizzenbuch, meinen Laptop und Musik. Der Ort ist dabei für mich nicht ausschlaggebend.

Slanted: Was inspiriert Dich?

Angie: Viele und auch ganz unterschiedliche Dinge. Mal ist es eine Ausstellung, mal ein Buch, mal ein Gespräch. Sehr interessant und nebenbei eine gute Inspirationsquelle finde ich unter anderem Bereiche des „Generativen Designs“.

Stefie: Neben dem Grafikdesigner und Informatiker John Maeda inspirieren mich gut durchdachte Arbeiten von engagierten Designstudenen oder jungen Designern. In meiner Freizeit ziehe ich zusätzliche Inspirationen aus Literatur, Film und Musikclips.

Slanted: Warum hast Du diese Arbeit gemacht? Wie bist Du auf die Idee gekommen? Was steckt dahinter?

Angie: Unsere erste Idee war es, eine Visualisierung für ein Musikstück oder ein Gedicht zu machen. Daraufhin haben wir uns gefragt, ob wir nicht beides miteinander verbinden können. Somit war die Idee, eine Vergleichbarkeit unterschiedlicher Kunstrichtungen zu schaffen, geboren.

Stefie: Auch fanden wir den Bereich der Wahrnehmungspsychologie schon immer interessant. Information in grafischer Form an den „Mann von Nebenan“ zu bringen ist eine große Herausforderung. Hier spielt die menschliche Wahrnehmung eine sehr wichtige Rolle. Dies war der Ausgangspunkt der Arbeit „Malerei.Poesie.Musik.“. Hier stellten wir uns die Frage, mit welchen anderen, oder neuen Mitteln wichtige Information kommuniziert werden können.

Slanted: Was möchtest Du mit Deiner Arbeit erreichen/aussagen?

Stefie: Mit unserer Arbeit möchten wir Kunstinteressierten aber auch Menschen ohne künstlerische Vorbildung eine neue, andere Sichtweise auf Kunst ermöglichen. Also die Barriere zwischen Kunst und Betrachter zu durchbrechen, um Kunst neu erfahrbar und wahrnehmbar zu machen.

Angie: Schön an unserem Projekt finden wir, dass man das Codesystem für viele unterschiedliche Bereiche anwenden kann, also beispielsweise auch im Bereich der Forschung, wie z.B. der Wahrnehmungspsychologie.

Slanted: Wie/Wo wäre die ideale Anwendungsweise?

Angie: Einen idealen Anwendungsbereich für unsere Arbeit sehen wir in einem Museum. In Kombination mit einer Ausstellung könnte unser Codesystem die Ausstellung nochmals aufgreifen und andere Sichtweisen eröffnen. Sozusagen eine Art Metaebene zwischen Kunst und Benutzer.

Stefie: Weitere Anwendungen wären im Bereich der visuellen Forschung oder einem barrierefreien Ansatz möglich: Menschen mit Sehbehinderungen könnten Gemälde hören, taube Menschen könnten Musik sehen.

Slanted: Arbeitest Du eher darauf los oder gibt es lange Konzeptionsphasen?

Stefie: Konzeptionsphasen sind meiner Meinung nach immer in einer bestimmten Dauer notwendig, um eine gut durchdachte und ausgereifte Arbeit zu vollenden und erfolgreich abzuschließen.

Angie: Ich bin ein sehr systematischer Mensch, deshalb gibt es bei meiner Arbeit auch zuerst mehrere Konzeptphasen, bevor ich an die eigentliche Umsetzung gehe. Ich sehe das Konzept als Grundstein für die spätere Gestaltung. In unserem Projekt gab es viele tiefgreifende Konzeptphasen, da wir es mit sehr komplexen Inhalten zu tun hatten.

Slanted: Wie lange hast Du an Deinem Werk gearbeitet?

Angie: Wir haben das Projekt in unserem siebten Semester bearbeitet, also knapp fünf Monate.

Slanted: Wer hat Dich betreut und wie hast Du davon profitiert?

Stefie: Betreut hat uns Professor Hans Krämer (zuständig für Ideenfindung und Umsetzung), Tanja Huber (Typografie und Umsetzung) und Claudius Schulz (Umsetzung und Animation). Aber auch Aussenstehende und Freunde baten wir oft um konstruktive Kritik, denn schließlich sollte unser Projekt am Ende eine breite Masse ansprechen.

Slanted: Hast Du Deine Arbeit handgemacht (gedruckt, veredelt etc.)?

Angie: Auf jeden Fall handgemacht. Angefangen hat es mit dem Codesystem, dieses haben wir selbst erarbeitet und auch nichts mit dem Computern generiert. Das Magazin haben wir natürlich selbst ausgedruckt, alles handmade sozusagen.

Stefie: Am Ende präsentierten wir eine Animation, Plakatserie und das Magazin.

Slanted: Hast Du Vorbilder? Was interessiert Dich an dieser/n Person/en? Welche Arbeiten gefallen Dir?

Angie: Vorbilder in dem Sinne habe ich nicht. Man schaut sich jedoch natürlich auch immer ständig um, was die anderen so machen, also gute Designer und Agenturen.

Stefie: John Maeda sehe ich zum Teil als Vorbild, da er es versteht, komplizierte Ansätze in unterschiedlichen Umsetzungsformen klar und deutlich auf den Punkt zu bringen. In fotografischer Hinsicht sehe ich Peter Lindbergh als einer der besten Fotografen. Mark Coleran macht es vor, wie perfekt man Motion Grafik in Szene setzen kann.

Slanted: Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

Stefie: In nächster Zukunft erhoffe ich mir in tollen Agenturen meine grafischen Kenntnisse noch erweitern zu können, um später mit einem eigenen Büro auf eigenen Füßen stehen zu können.

Angie: Als „frische“ Diplom-Designerin mache ich mich nun auch daran, viele Erfahrungen zu sammeln und mich weiter zu bilden. Später vielleicht noch einen Master machen und wer weiß, ganz später vielleicht mal ein eigenes Designbüro zu gründen. Und dieses machen wir dann vielleicht zusammen.

Danke, dass Ihr usnere Fragen beantwortet habt und viel Glück für die Zukunft!




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