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Open Source Festival Congress

Rückblick

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Open Source – aus der Schnittmenge vieler Ideen wird etwas Spannendes, etwas Neues. Diese Idee ist schon immer Hintergedanke des Open Source Festivals gewesen. Seit seiner Gründung vor über zehn Jahren mischen sich hier Musik, Kunst und Kultur – ein Konzept, das nicht nur die Kreativen in Düsseldorf begeistert. Jedes Jahr reisen hunderte Besucher für genau diese besondere Mischung an. Aber wie hält man diese Quelle am sprudeln? Ein ganz neues Format sollte dieses Jahr frischen Wind in den Mix bringen: Der Open Source Festival Congress. Am Vortag des Festivals luden die Veranstalter ein, Teil einer Unterhaltung über Design, Philosophie, Politik, Digitalisierung, Architektur, Biologie und vielem mehr zu werden. Unter freiem Himmel, mit viel Platz für Ideen. 

Der Leitgedanke dabei: Wie ist man eigentlich kreativ? Welche Fragen müssen wir uns gegenseitig stellen, um Zukunft zu gestalten? Mit internationalen Keynotes, branchenübergreifenden Panels, Workshops und mehr schafften die Veranstalter einen tollen Ort des Austauschs.

Ohne Kreativität keine Innovation keine Wirtschaft. Aber wann entsteht schon mal eine Unterhaltung zwischen Grafikdesigner und Neurowissenschaftler? Wo treten Laborfleisch-Produzent und Journalist ungezwungen auf eine Bühne? Genau diese Begegnungen und branchenübergreifenden Dialoge machten den Congress zu einem so spannenden und inspirierenden Event. Die Interdisziplinarität der Sprecher, alle Kreative auf ihrem Gebiet, aber oftmals nicht in der Kreativbranche tätig, erzeugte einen tollen Mix und unheimlich bereichernde Unterhaltungen.

Die Rednerliste war voll mit interessanten Persönlichkeiten und Experten unterschiedlicher Gebiete. Schon der erste, sehr spannende Vortrag von Dr. Richard David Precht läutete das pralle Programm gebührend ein. Der Philosoph, der sich u.a. mit dem Second Machine Age beschäftigt, skizzierte, welche Auswirkungen dieses auf unsere politische und gesellschaftliche Zukunft haben könnte. Wie sieht in Zukunft Arbeit aus? Werden Maschinen all unsere Jobs übernehmen? Wie finanziert man ein bedingungsloses Grundeinkommen? Ist es immer erstrebenswert die »einfachste« Lösung zu finden? Wollen wir es vielleicht manchmal kompliziert? Diese Fragen und mehr wühlten auf und inspirierten. Sie zeigten zudem auch eine Art Leitthema auf, dass sich durch den gesamten Tag zog: Welche Chancen gibt es, unsere Zukunft mitzugestalten?

Themen wie Ernährung, Privatsphäre, Digitalisierung und Toleranz spielen in dieser Zukunft eine große Rolle. Wie ernähren wir die 9 Milliarden Menschen, die bis 2050 auf diesem Planet leben werden? Mit Essen aus dem 3D-Drucker oder Burgern aus dem Labor? Das Panel mit Peter VerstrateLinYee Yuan, und Billy Wagner war hierzu sehr spannend.

Eine Zukunft ohne Privatsphäre? Scheint unmöglich, aber wahrscheinlich sind wir bereits in einem solchen Zeitalter bereits angekommen. Der Stanford Professor Dr. Michal Kosinski erklärte in seinem Vortrag, wie viel wir über unsere Facebook-Likes offenbaren und wie leicht es ist, Informationen zu erhalten, die wir für höchst privat und vertraulich halten. Schon 200 Likes reichen aus, um akkurate Schlüsse über eine Person zu ziehen. Oftmals sind diese Informationen schon in unserem Facebook-Profilbild erkennbar. Statistisch genau lässt sich durch ein Bild erkennen, wer schwul, introvertiert, naiv oder etc. ist. Was bedeutet diese Möglichkeit? Was passiert, wenn wir nicht mehr nur Kunden, sondern auch Produkt sind? Als Lösungsansatz nennt Kosinski nur Offenheit und Enttabuisierung von brisanter Themen, sodass die Wahrheit nicht mehr wehtun kann.

Die Notwendigkeit von Offenheit wurde auch von Mykki Blanco, Aktivist, Performance Künstler und Autor angesprochen. Ohne radikale Offenheit und das Aufbrechen von Stereotypen, Geschlechterrollen und Vorurteilen, kann unbegrenzte Kreativität nicht stattfinden, so Blanco.

Auch Projekte wie die von Fynn Kliemann, Banz&Bowinkel, Studio Rabotti und Adina Popescu u.a. zeigen, wie sehr es sich lohnt für diese Freiheit zu kämpfen. Lieber gemeinsam als allein.

Neben den vielen interessanten Gesprächen auf vier verschiedenen Bühnen, bot das gesamte Rennbahn Gelände eine kreative Atmosphäre und viel Gelegenheit zum Ausprobieren und Schauen. Viele Düsseldorfer Unternehmen und Institutionen waren dabei. Das Kollektiv __thek hatte einen tollen Stand und im riesigen Wacom Zelt konnte man Grafiktablets ausprobieren und sogar sein eigenes temporäres Tattoo gestalten. Ein tolles neues Feature des Open Source Festivals, die Open Squares, bot am 13.7. auch schon einen Sneak Peak an: Hier konnte man am Tag des Kongresses schon drei von 20 Startups aus Düsseldorf kennen lernen: Das Schmucklabel related by objects, den Medienkünstler Dead Pixels, und das Schallplattenpresswerk Neophon. Beim Open Source Festival am nächsten Tag waren dann alle 20 Gründer da, um ihre innovativen Ideen vorzustellen.

Den Open Source Festival Congress zusammenzufassen fällt schwer. Jeder Aspekt dieses tollen Tages scheint nennenswert und besonders. Viel wichtiger ist aber der wundersame Mix an Inspiration und Tatendrang, der bleibt, auch wenn einen die müden Füße längst nach Hause getragen haben. Wir freuen uns schon auf das nächste Mal!