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Perfektion/Imperfektion

Abschlussarbeit von Judith Damaris Metzinger

Autor:

Perfektion/Imperfektion – (Im)perfektion als besonderen visuellen Reiz ist der vollständige Titel des Bildbands den Judith Damaris Metzinger als Abschlussarbeit an der Hochschule für Gestaltung in Pforzheim gestaltete.

Kurzbeschreibung:
Ich habe einen Bildband gestaltet, der in erster Linie Inspiration sein und Experimentierfreude wecken soll. Er zeigt, wie Imperfektion in der Gestaltung bewusst und ausdrucksstark eingesetzt werden kann. Ein “Glitch” ist ein Bild, das aufgrund einer kleinen Panne/Störung in der Datenverarbeitung entsteht. Dieses “imperfekte Bild” kann einen großen ästhetischen Reiz haben. Der Glitch steht als Begriff für das Störende, das die (visuelle) Perfektion beendet.

Ich wählte den Glitch als besondere Form der Imperfektion und kreierte für meinen Bildband ausnahmslos alle Bilder selbst. In meinem Werk stelle ich Perfektion und Imperfektion in Form von Originalbild und Glitch einander direkt gegenüber. Dabei ist das Originalbild die Perfektion (die uns bekannte Sichtweise) und der Glitch die Imperfektion (eine neue, ungewöhnliche Art der Darstellung – im Gegensatz zum Original “imperfekt”).

Der Glitch ist die Verschmelzung von Perfektion und Imperfektion: Er vereint in sich sowohl Perfektion in Form der unangetasteten Elemente des Originalbilds als auch Imperfektion (Darstellung von Bildelementen in ungewohnter, veränderter Art und Weise). Daraus ergibt sich eine charakteristische Bildsprache und ein “imperfektes Bild” mit einer großen Ausdrucksstärke, einer auffallenden Formensprache, einem besonderen Detail- und Variantenreichtum und einer sehr lebendigen Ausstrahlung. Der Glitch hat als besonderes Bild der Imperfektion einen großen visuellen Reiz.

Interview:
Slanted: Glitch, das klingt ein bischen wir »Kitsch« und »glitschig«. Woher stammt dieses Wort, diese Bezeichnung?
 

Das Wort kommt aus dem jiddischen „glitshen“, was etwa soviel wie „Abrutschen“ oder „Wegrutschen“ bedeutet. Der Begriff beschreibt, was Bildpixel tun, wenn ein Glitch passiert… sie rutschen weg, tanzen aus der Reihe, tauchen unvermittelt an anderer Bildstelle wieder auf. Populär wurde der Begriff, als der amerikanische Astronaut John Glenn 1962 die Probleme, die er mit der Bordelektronik im All hatte, als Glitch beschrieb.

Ein Glitch ist das visuelle Resultat einer kleinen Panne oder einer kleinen Störung in der Elektronik. Kurz gesagt ist ein Glitch ein Bild, das zufällig aufgrund einer Fehlfunktion entsteht und einen besonderen ästhetischen Reiz haben kann. So unterschiedlich diese Glitches auch aussehen können – alle haben unverkennbare charakteristische, gemeinsame Merkmale. Die wichtigsten Schlüsselmerkmale sind Fragmentierung, Wiederholung, Linearität und Komplexität oder Vielschichtigkeit.

Jeder Glitch ist in unterschiedliche Fragmente unterteilt, manchmal sind alle Elemente des Originalbilds zerbrochen, manchmal nur wenige. Teile des Bilds sind verschoben, wurden falsch interpretiert. Dieser Effekt der Verschiebung ist aufgrund der horizontalen Schreib- und Leserichtung der Computer fast immer horizontal ausgerichtet. Bildfragmente des Glitches sind nicht nur verschoben, sondern wiederholen sich plötzlich und treten an anderer Stelle des Bilds wieder auf.

Zufallskomponente und Überraschungsmoment spielen auch eine nicht unbeträchtliche Rolle beim Auftreten eines Glitchs; man muss das Glück haben, den Glitch in dem Moment gerade einfangen zu können. Außerdem ergibt sich, je nachdem, welche Bildinformationen durch die elektronische Störung angetastet werden, ein individuelles “imperfektes Bild”. Daraus erklärt sich, dass ein und dasselbe Bild nach einem Glitch jedes Mal anders aussehen kann, woraus der große Variantenreichtum der Glitches resultiert.

Slanted: Wie bist du auf die Idee gekommen, deine Bachelorarbeit über Imperfektion und Glitches zu machen?

Wie es dazu kam, weiß ich auch nicht mehr genau – aber irgendwie wuchs schon eine Zeit lang in mir der Wunsch, dem vorherrschenden Perfektionswahn in unserer modernen Welt und Gesellschaft ein schlagkräftiges Statement entgegenzusetzen. In der heutigen Leistungsgesellschaft wird Perfektion in den verschiedensten Lebensbereichen gefordert, sowohl von anderen Personen als auch von einem selbst. Da möchte ich mich nicht ausnehmen, auch ich stelle manchmal an mich selbst sehr hohe Ansprüche, denen ich genügen möchte.

In Bezug auf die Gestaltung fiel mir schon lange auf, dass auch die Medienwelt in allen möglichen Bereichen der Perfektion unterliegt. Diese allzu perfekte Ästhetik – gerade in der Werbewelt – von Bildern, die makellos übertrieben retuschiert sind, ziehen meiner Meinung nach einen Verlust an Ausdruckskraft, Originalität, individuellem Wert und damit verbunden auch einen Verlust an Glaubwürdigkeit nach sich. Das ist ein weiterer Grund dafür, dass ich diesem Trend in meiner Thesis entgegenwirken und zeigen möchte, dass gestaltete (Im)perfektion eine besonders gute Wirkung haben kann. Es geht mir darum, zu zeigen, dass Imperfektion den Bildern eine gewisse Art von Individualität und eigenem Charakter geben kann.

Zu Beginn meiner Arbeit suchte ich verschiedene Wege, “imperfekte Bilder” zu kreieren und experimentierte mit allem, was mir einfiel. Im Laufe meiner Themenrecherche und meiner Experimente stieß ich auf die Begrifflichkeit des Glitches und suchte fortan nach Möglichkeiten, diese “elektronischen Fehler” gezielt zu provozieren.

Ich wählte den Glitch als Synonym für Imperfektion. Natürlich gibt es noch viele, unzählbare Formen der Imperfektion. Perfektion und Imperfektion ist ein riesiges Thema, das viele Facetten beeinhaltet und zum Teil auch der persönlichen Meinung unterliegt, was das Zitat “Da Perfektion im Auge des Betrachters liegt, wird sie je nach Betrachter nie perfekt sein” (Ilja Pohl) treffend zusammenfasst. Auch deshalb war es für mich wichtig, das riesige Thema schlüssig einzugrenzen.

Die Perfektion ist das Original, die bekannte Darstellung. Dem gegenüber steht die Imperfektion, die Darstellung in einer ungewohnten, veränderten Art und Weise.

Eine besondere Form von Imperfektion ist der Glitch, das aufgrund einer elektronischen Panne entstehende “imperfekte Bild”. Der Glitch verkörpert die Imperfektion durch seine Darstellung auf eine neuartige und andere – im Gegensatz zum Original imperfekte – Art und Weise. Der Glitch steht als Begriff für das Störende, das die visuelle Perfektion beendet. In meinem Bildband stelle ich Perfektion und Imperfektion bzw. Originalbild und Glitch einander direkt gegenüber.

Slanted: Was genau reizt dich an den Glitches?

Ein Glitch bringt ein bisschen Imperfektion in unsere ansonsten recht perfekte moderne Welt… Der eigentlich so perfekte mathematische Logarithmus der Datenverarbeitung setzt für eine kurze Zeit lang
vollkommen aus, wenn ein Glitch auftritt. Der Glitch entzieht sich unserer Kontrolle, worin sicherlich ein Stück weit der Reiz liegt.

Es geht etwas Verlockendes, eine Faszination von der Technologie aus, über die wir keine Kontrolle haben. Selbst wenn man den Glitch “vorsätzlich provoziert” – es ist ein Bild, welches einen Überraschungseffekt mit sich bringt. Zum Einen bedingt dadurch, dass man nicht weiß, auf welche Bildinfos sich die elektronische Störung auswirkt und welche visuellen Ergebnisse dadurch sichtbar werden, zum Anderen gehört das Glück dazu, den Glitch in dem Moment gerade einfangen zu können. Und selbst wenn man den schönsten Glitch auf dem Monitor sieht – es ist längst nicht gesagt, dass man ihn auch einfangen und aufs Papier bannen kann.

Besonders fasziniert mich an den Glitches ihr riesiger Variantenreichtum, der aus ein und demselben Originalbild entstehen kann. Kurios ist, dass die Farben sich so verändern können – selbst wenn das Originalbild schwarzweiss ist, können die Glitches in den buntesten Farben erstrahlen –liegen doch die Farbinformationen im Quelltext des Originals verborgen zugrunde. Glitches können ein Stück weit somit aufdecken, was sich im Verborgenen der Datenverarbeitung abspielt, gewährt einen kleinen Einblick hinter die Kulissen der Datenverarbeitung.

Dadurch, dass Glitches nicht so einfach einzufangen und zu reproduzieren sind, erhält man durch eine eigene Glitchproduktion zudem “kleine Unikate”.

Slanted: Wie bist du vorgegangen, damit aus deinen Fotos Glitches entstehen?

Inspiriert von den wissenschaftlich fundierten Charakteristika und ausführlichen Informationen, was ein Glitch zu einem solchen macht und ihn auszeichnet, suchte ich nach Möglichkeiten, Glitches zu provozieren.

Die Schwierigkeit liegt darin, dass es kaum Angaben gibt, wie man Glitches erstellen kann, so dass man die Möglichkeiten selbst herausfinden muss. So hangelte ich mich wochenlang im Internet von Link zu Link und probierte einfach alles Mögliche aus. Das war eine lange Suche und vor allem viel Experimentieren. Ich kombinierte unterschiedliche Möglichkeiten, um visuell spannende Glitches zu erhalten. Teilweise fand ich Möglichkeiten der Glitch-Erstellung, die auf programmiertechnischen Skripts o. ä. beruhen, was nicht weiter schwierig ist – doch der Glitch entsteht nicht auf einfachen Knopfdruck. Zwar bezog ich programmiertechnische Hilfsmittel mit ein, allerdings sind jeweils spezifische technische Voraussetzungen nötig und teilweise eine zeitaufwendige Vorbereitung durch verschiedene Arbeitsschritte, dass das Skript auch greift und das Originalbild zu einem Glitch wird.

Ich würde es nicht offiziell als Anleitungen zum Glitchen definieren, aber ich fand für mich ein paar Möglichkeiten, Bilder zur Imperfektion hin zu verändern. Für Denjenigen, der ebenfalls experimentieren möchte, hier ein paar Anregungen.

Eine einfache Art, einen Glitch zu erhalten, ist, den Quellcode eines Bildes zu ändern (beispielsweise mit der Freeware HexFiend). Das funktioniert, allerdings wird der Glücksmoment hier auch schnell deutlich, denn das visuelle Bild ist meist nicht sehr spannend und ganz oft passierte nichts oder das Bild ließ sich einfach nicht mehr öffnen. Dieses Problem trat bei mir auch später oft auf, und ich musste den Glitch über Umwege sichern (Screenshots machen oder Freeware Screengrab verwenden). Allerdings sind die visuellen Ergebnisse dabei nur seltenst wie erhofft und vorallem gleicht dies einem Glücksspiel ohne Maßen.

Eine Art der Glitchkreation, welche ich angewandt habe, funktioniert mittels Verwendung einer sogenannten “Data Corruption Software”, die Elemente der Binärdaten von Bildern vertauscht und die Elemente per Zufallsprinzip in einer Anzahl von eins bis zwanzig an der jeweiligen Stelle ersetzt. Die Gründe für den netten Zusatz “And because it is a real corruption system that damages the binaries of a file, some of the results cannot be showed because they are too damaged…“ erschlossen sich mir gleich nach dem ersten Versuch. Für Interessierte, die das auch einmal versuchen wollen: Wenn sich das Bild nicht öffnen lässt, gibt es die Möglichkeit, ein Screenshot davon zu erhaschen oder – besser aufgelöst – eine mit der Freeware Screengrab exportierte Bilddatei.

Eine weitere Möglichkeit der Glitchkreation, die ich für mich fand, nimmt Bezug auf die digitale Herkunft der Glitches. Unter Rückgriff auf “Net Art” werden unzählige Einzelbilder zu einem gewählten Stichwort (ähnlich einer Google-Bildersuche) über ein Netzwerk “gegrabbed” und in zwölf bis vierzehn zufallsgesteuerten Schritten verarbeitet und neu miteinander kombiniert. Das so entstandene “imperfekte Bild” ergibt sich in Bezug auf Farbigkeit und Details etc. vollständig aus den zugrundeliegenden Originalbildern.

Imperfekte Bilder über einen Glitchbrowser zu erhalten, erfordert das Zusammenspiel mehrerer Komponenten. Der Glitchbrowser funktioniert in erster Linie über ein Userskript, das in Firefox Bilder als Glitch verändert anzeigt, wenn man sie nach Einbindung auf einer Website, mehrfach neu lädt. Bedingung dafür ist allerdings, dass die Bilder, die man “verglitchen” möchte, auf einer Website eingebunden werden. Verschiedenen Uploads zufolge schätze ich, dass die Einbindung in eine Website mit umfangreichem HTML-Code nötig ist, damit das Skript anspringt.

Je nach Art der Glitchkreation ergeben sich unterschiedliche visuelle Ergebnisse, und wie bereits bei den Schlüsselmerkmalen der Glitches erwähnt, ergeben sich im Wechsel sowohl visuell aufregende als auch völlig langweilige Glitches. Hier spielen wieder der Glücksfaktor und das Zufallsprinzip als charakteristisches Merkmal mit. Aufgrund dieser Tatsache erstellte ich von jedem Originalbild, das ich “verglitchte”, mehrere, unterschiedliche Varianten und wählte anschließend die schönsten für meinen Bildband aus.

Als weitere Inspiration für Interessierte sei das Buch Glitch – Designing Imperfection von Iman Moradi empfohlen. Das einzige Buch, das ich zu dem Thema finden konnte. Es enthält keine Anleitungen, wie man Glitches erstellt, aber es zeigt eine sehr coole Best-of-Sammlung dieser “happy accidents” von über 900 Einsendungen – von Personen, die einen ästhetisch ansprechenden Glitch im Moment des Auftretens einfangen konnten.

Slanted: Konntest du die gleichen Techniken auch auf typografische Bilder anwenden, die du auf Fotos angewendet hast? Gab es da Unterschiede in der Herangehensweise?

Neben dem “digitalen Glitchen” wollte ich den Glitch noch auf eine andere Art und Weise interpretieren. So übertrug ich den Begriff der Imperfektion bzw. des Glitchs auf Typografie. Durch das Wechselspiel von Perfektion und Imperfektion bzw. von “perfekten” und “imperfekten Buchstaben” (der Darstellung der Buchstaben in einer ungewöhnlichen Art und Weise, welche deshalb – im Gegensatz zum Originalzustand – als Imperfekt betrachtet werden) ergibt sich ein visuell spannendes (Schrift-)Bild.

Um dies möglichst ausdrucksstark zu gestalten, bezog ich verschiedene Materialien mit ein und griff auf manuelle Techniken, wie zum Beispiel Fotografie, Zeichnung oder Stempeltechnik zurück. Die Darstellung aus ungewohnter Sichtweise wird zum Beispiel durch Scans alter Schilder-Steckbuchstaben von unten, um deren Steckvorrichtungen sichtbar zu machen, erreicht. Ich habe unter anderem Buchstaben gemäß des Zitats von Antoine de Saint Exupéry gezeichnet “Perfektion ist (…) erreicht, wenn man nichts mehr weglassen kann” und ungewöhnliche Elemente, wie die Kontrollnummer von Klebebuchstaben, miteinbezogen. So etwas würde in “perfekten Medien” nicht vorkommen, doch verleiht es den Buchstaben eine visuell attraktive Note.

Das direkt miteinander verbundene Wechselspiel von Perfektion und Imperfektion der Buchstaben machen aus dem Schriftbild insgesamt einen Glitch. Diese Glitch-Interpretation ist natürlich eine viel freiere und bewusstere Art und Weise, die ich gegenüber dem “digitalen Glitchen” stärker beeinflussen und bewusster gestalten konnte. Ich finde es interessant, Imperfektion typografisch so zum Ausdruck zu bringen. Diese typografischen Glitches nahm ich anschließend als Grundlage dafür, sie wiederum “digital zu verglitchen”, was mich zu meinem Kapitel “Glitch glitched” führte.

Slanted: Sind Glitches eher ein Zufallsprodukt oder gibt es dabei auch Kategorien, in die sich Glitches einordnen lassen?

Glitches tragen auf jeden Fall eine Zufallskomponente in sich, aber ein reines Zufallsprodukt sind sie auch nicht, da man schließlich versuchen kann, diese Glitches hervorzurufen – doch kontrollieren kann man nicht, wie der Glitch schließlich aussieht, welche Farben oder Formen er hat, dies unterliegt wieder dem Zufallsprinzip, welche Bildinformationen durch die elektronische Störung angetastet werden. Ich habe kein einziges meiner Glitches farblich verändert oder weiter bearbeitet; das wollte ich nicht, um das Glitch-Ergebnis nicht zu verfälschen. Allerdings ist in keinem Fall vorauszusehen, ob der Glitch auch reizvoll wird oder nur langweilig aussieht, welches bei jedem Bild ein mehrfaches Verglitchen erforderte.

Da Glitches so unterschiedlich sein können, sind sie schwer in Kategorien einzuordnen. Ich würde sie entweder in Bezug auf Abstraktion, Ort des Glitch-Geschehens oder nach Bildsprache einordnen.

Glitches unterliegen, je nach Ausmaß der elektronischen Störung der Datenverarbeitung, unterschiedlicher Abstraktionsgrade. In manchen Glitches erkennt man große Teile des perfekten, unangetasteten Originalbilds wieder, die unversehrt blieben. In anderen Glitches wiederum hat man Schwierigkeiten, ursprüngliche Elemente des Originalbilds wiederzufinden. Treibt man das Glitchen auf die Spitze und provoziert einen Glitch, den man wiederum zu einem Glitch verändert, den man ggfalls nochmals zu einem Glitch werden lässt, erkennt man irgendwann nichts mehr vom Original und kann den Glitch seinem Ursprungsbild nicht mehr zuordnen. Dies wäre mir für mein Bildband zu willkürlich; ich habe immer darauf geachtet, Glitches zu erhalten, die dem Ursprungsbild eindeutig abstammen. Somit wollte ich den Sinn der nachvollziehbaren Gegenüberstellung von Perfektion und Imperfektion bzw. Originalbild und Glitch wahren.

Eine weitere Möglichkeit der Kategorisierung wäre nach Ort und Stelle, wo der Glitch passiert bzw. was geglitched wird. Der Glitch-Begriff, der ursprünglich aus der Elektronik stammt, existiert übrigens auch in der Musik; ein Genre der elektronischen Musik, das auf digitalen Störgeräuschen basiert, nennt sich “acoustic glitch” und ist ein Sampling aus ursprünglich ungewünschten Stör- und Knistergeräuschen. Und hatte nicht der charakteristische Klang des Plattenspielers früher eine ganz besondere, lebendige Akustik? Der Glitch in Computerspielen bezeichnet kleine Fehler, die von falsch dargestellten Grafiken bis hin zu Effekten, die dem Spieler unerwartet einen Vorteil verschaffen, der so vom Entwickler nicht angedacht war. Ein Glitch in Bezug in der Fernseh- und Videotechnik beschreibt eine kurzzeitige Falschausgabe von Bild- oder Toninhalten.

Ich ordnete in meinem Bildband die Glitches nach ihrer Bildsprache in unterschiedliche Kapitel ein. Je nach Art der Kreation variiert die Bild- und Formensprache des Glitchs. Da meine Glitches so unterschiedliche Bildsprachen hatten, welche alle eine eigene Ausstrahlung besaßen, wählte ich daraus meine Kapitelunterteilung.

So entstand für mein Buch ein Retro-Teil mit imperfekten Bildern, welche uns mit ihrem Aussehen und ihrer Formensprache an die Vergangenheit zurückdenken lassen und traf entsprechend eine Bildauswahl von anno dazumal. Der Wortursprung “imperfectus” (latein.) bedeutet schließlich auch “unvollkommen, veraltet”. Ein weiteres Kapitel nimmt Bezug auf die digitale Herkunft des Glitchs und hat entsprechend eine digitale Ausstrahlung. Außerdem habe ich einen modernen Teil als Gegenpart zum “Retro-Kapitel” gelayoutet, welcher Glitches mit einer sehr modernen Formensprache zeigt, so dass ich diesbezüglich Bilder des modernen Lebens zum Verglitchen auswählte. Dem schließt sich das “Typographical-Kapitel” an.

Mein Bildband wird von einer Fadenheftung mit offenem Buchrücken zusammengehalten, welches mit seinen sichtbaren 25 Signaturen und der groben Anleimung dreier Lesebändchen zur Kapitelunterteilung den unfertigen, “imperfekten Eindruck” zusätzlich verstärkt.

Slanted: Deine Pläne für die Zukunft?

Ich kann Einiges mehr, als Bilder zu Verglitchen – was ich nun an einem attraktiven Arbeitsplatz mit sympathischen Leuten gerne unter Beweis stellen möchte.

Natürlich freue ich mich hierbei auch über Unterstützung: [email protected]

Herzlichen Dank möchte ich an dieser Stelle gerne noch an Iman Moradi für den wertvollen Glitchbrowser-Support, Herrn Siegel von Konmedia in Bühl für die drucktechnische Unterstützung und an alle meine “Fotomodels” von Familie und Freunden aussprechen sowie ein besonders dickes Dankeschön an meine Eltern für die finanzielle und kulinarische Unterstützung!

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