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Typotron Hefte

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Von unserem Leser Kai erhielt ich vor kurzem sehr schöne Post. Zwei Ausgaben der Typotron-Hefte . Die Veröffentlichungen sind sehr schön gestaltet. Weil ich mehr wissen wollte, habe ich Kai einfach gefragt…
hallo kai,
hier nun ein paar fragen. nochmals vielen dank für die zusendung der
zwei hefte. ich habe mir die website von typotron angeschaut.

Vorab noch zur Info: Ich habe die Fragen gemeinsam mit meiner lieben
Kollegin Nadine beantwortet, die den Hauptstress in Sachen gestalterische
Umsetzung und Organisation hatte.

1. merkwürdiges logo, erinnert an linotype, oder?
Durch die Farben schon ein wenig…aber mit dem Logo haben wir
nichts zu tun!

2. wie kam es zu der zusammenarbeit. du sitzt in frankfrut, da gibt es
doch genug druckereien?

Wir haben über einen Kunden von Typotron in der Schweiz erfahren und schnell
gemerkt, dass wir in bestimmten Dingen auf einer Wellenlänge liegen. Die
Typotron- Heftreihe fanden wir sehr interessant und durch einen Pitch haben
wir es geschafft, zwei Ausgaben (die Ausgabe 24 werden wir nächstes Jahr
auch gestalten) konzipieren und gestalten zu dürfen.

3.a. am telefon sagtest du, dies sei euer zweites heft. das erste von
euch ist ausgabe 22 (nicht auf der website von typotron präsentiert!)
und heißt MÖRDERMUSCHELN, TRITONSHÖRNER UND PERLBOOTE. welch ein
schöner titel. die gestaltung ist auch wunderschön. habt ihr auch die
zeichnungen gemacht? wie lange habt ihr daran gearbeitet? da sind so
viele schöne details drin, dass sieht fett nach arbeit aus!

Die Zeichnungen sind vom Autor selbst und kamen zu Beginn unserer
Zusammenarbeit per Fax hier an. Da waren wir zunächst geschockt. Aber als
wir deutlich gemacht haben, dass wir die etwas besser brauchen, ging es dann
doch digital und gut eingescannt. Die schönen oldschool
Wissenschafts-Illustrationen kamen uns recht, da wir ja diese typische
Biologie-Wissenschaftsästhetik anstrebten…darum auch so Details wie
Maßbezeichnungen (man beachte, wie gross die Dinger in Wirklichkeit sind)
und die typischen Abkürzungen wie z.B “Fig.1”
Zum besseren Verständnis kurz zu unserem Gestaltungskonzept:
Um das Thema “Schalentragende Weichtiere“ angemessen zu visualisieren,
spielten wir mit unterschiedlichen Papieren, die für die jeweilige
Oberfläche der Muschel oder dem Schneckenhaus entsprechen. So ist (quasi
als Schale) der Umschlag aus festem strukturierten Karton, der Textteil
(symbolisch für die Weichteile) innen aus dünnem und opakem Papier (man
beachte das Spiel mit dem Durchscheinen der Gestaltungselemente) und die
Fotografien, als Perle im Mittelteil, sind auf edles Perlmutt-Papier
gedruckt!(der Drucker war tapfer trotz sehr langer Trocknungszeiten) Auch
die teilweise orangefarbenen Fotografien haben wir für die Farbgebung der
Broschüre berücksichtigt!

3.b. kennst du Richard Flanagan, Goulds Buch der Fische
Ein Roman in zwölf Fischen. Das ist auch unglaublich schön. Und toll
gemalt (Klaptext: Aus dem Englischen von Peter Knecht. Mit 12
Abbildungen. “Es war einmal, es war einmal vor langer Zeit, da
geschahen furchtbare Dinge, aber sie geschahen an einem fernen,
vergessenen Ort, und der ist, wie wir alle wissen, nicht hier, nicht
jetzt, nicht wir.” Dieser ferne, furchtbare Ort ist Sarah Island, eine
Gefängnisinsel vor der Küste Tasmaniens im 19. Jahrhundert, wo der
Sträfling, der sich William Buelow Gould nennt, in einer Zelle auf
seine Hinrichtung wartet. Dort schreibt er auf gehortetem Papier und
mit der Tinte eines Tintenfisches, mit der Flüssigkeit aus dem Rückgrat
eines Seeigels oder dem eigenen Blut seine Erinnerungen. Er war ein
Fischer und Dieb in London und wurde zu lebenslanger Haft in Australien
verurteilt, der Kontinent, auf den Britannien seine Schwerverbrecher
verbannte. Der Gefängnisarzt Lempriere erkannte sein malerisches
Talent, holte ihn aus der Zwangsarbeit heraus und übertrug ihm die
Aufgabe, die vielen Fischspezies Tasmaniens zu malen – im Interesse der
Wissenschaft …)

Kannte Ich nur vom Namen, habe gleich mal gegoogelt…Finde Ich auch sehr
beeindruckend, keine Frage! Inspiriert haben uns aber wie schon erwähnt eher
alte Biologiebücher und wissenschaftiche Abhandlungen.

4. da war die jetzige ausgabe HERZSPRUNG, EINE TIBETISCHE GESCHICHTE
AUS DEM KINDERDORF PESTALOZZI nicht ganz so aufwendig, oder?

Nein, leider nicht. Im Gegensatz zum “Muschelbuch” wollten wir hier weniger
inszenieren, denn die Geschichte ist zu sensibel, um die Gestaltung zu sehr
in den Vordergrund zu rücken. Wir wählten eine Visualisierung, die das Thema
unterstützt und die Authenzitität der Geschichte erhält. Also entschieden
wir uns für eine Tagebuch/Photoalbum-Optik, die jedoch viel Aufwand mit sich
brachte. Die Kapitelüberschriften und Bildlegenden sind in
Original-Schreibmaschinentypo gehalten, (eigenhändig auf einer alten
Olympus-Reiseschreibmaschine von unserer Praktikantin getippt) um den
dokumetarischen Charakter der “Story” zu verstärken! Der Hintergrund der
Fotoseiten ist übrigens dem Fotoalbum von Dolkar (deren Lebensgeschichte
erzählt wird) entnommen.
Um den Fotoalbumcharakter auch erlebbar zu machen, lassen wir ein Foto sogar
mal rausfallen! (liegt einzeln im Heft; und einige haben soagr schon
versucht, es wieder reinzustecken) Die persönlich dokumentarische Aufmachung
ist auch gleichzeitig der Brückenschlag zum Kinderdorf, denn gerade Kinder
halten ja Ihre Erfahrungen häufig in Form eines Tagebuchs fest!

5. das titelmaterial finde ich klasse, sieht so handgemacht aus. wie
seit ihr auf das material gekommen?

Wir suchten ein organisches und haptisch wertvolles Papier, haben also hier
in Deutschland Papiermuster gecheckt und dann in der Schweiz (andere
Papierlieferanten) etwas ähnliches ausgewählt. Nennt sich Bütten-und
Ausstattungskarton.

6. das innenmaterial finde ich allerdings etwas zu dick und auch etwas
zu glatt. wäre da ein art werkdruck mit ein bischen volumen nicht ein
bischen geschmeidiger gewesen?

Die schwere Grammatur deshalb, um die Fotoalbum-Seiten authentischer wirken
zu lassen und die glatte Oberfläche bildet unserer Meinung nach ein guter
Kontrast zum griffigen Titel!

7. die story mit dem dalai lama habe ich auf der schnelle nicht ganz
begriffen. kannst du mir die nochmals erzählen.

Der Dalai Lama setzt sich für das Konzept des Kinderdorfs ein und
befürwortet die Idee, dass die Kinder (trotz Integration in das Schweizer
Leben) in ihren Traditionen weiterleben können. Außerdem war Dolkars Mann
einengagierter Vertreter des Dalai Lama und sein Übersetzer bei
Veranstaltungen. Dolkars Vater, der Finanzminister in der tibetischen
Regierung war, hatte auch Kontakt zu ihm.

8. ist die gestaltung für diese heftreihe ein free-project? macht ihr
noch mehr davon?

Ja, wir arbeiten neben dem Tagesgeschäft auch viel im kulturellen Bereich
(Theater, Musik, Jugend- und Kinderabteilungen usw.), wo das Honorar nicht
selten eher einen symbolischen Stellenwert hat. Aber diese Projekte machen
uns viel Freude und bringen uns in allen Belangen enorm weiter.

9. schick mir mal ein foto von der original schreibmaschine. warum habt
ihr euch die mühe gemacht und nicht einfach trixie verwendet?

Schon alleine die Tatsache, dass Du erkannt hast, dass es richtig getippt
ist (hatte ich am Telefon nicht erwähnt, oder), spricht doch dafür, dass
sich die Schreibmaschinen-Session gelohnt hat.
Es wirkt um einiges echter, ausserdem war der Klang der Olympus
mal was ganz anderes hier im Büro. Einigen Kunden haben wir scherzhaft
erzählt, dies sei der ständige Arbeitsplatz unserer Praktikantin. Den
Rechner müsse Sie sich erst verdienen. Ich denke, Ich sollte das demnächst
mal aufklären….!

10. was mich auch noch wundert ist die etwas zusammenhang lose auswahl
der themen für diese hefte. oder habe ich da etwas nicht verstanden?

Die Themen haben alle mit St.Gallen und dem näheren Umfeld zu tun. Alle
Beteiligten profitieren davon: Einerseits die Stadt St. Gallen, dann die
Institution, um die es in dem jeweiligen Heft geht (einige benutzen das
Typotronheft soagr als eine Art Imagebroschüre), die Druckerei und die
Gestalter natürlich. Ist ja eine nette Referenz. Mit der Ausgabe 22 haben
wir sogar einen IF Award erhalten…ist doch was!

Trotz fehlender Auflistung kann bei Typotron.ch über Kontakt mit nennnung der Ausgabennummer bestellt werden!

Ausgabe 22, MÖRDERMUSCHELN, TRITONSHÖRNER UND PERLBOOTE

Aktuelle Ausgabe 23, HERZSPRUNG, EINE TIBETISCHE GESCHICHTE AUS DEM KINDERDORF PESTALOZZI

Couvert von MERKWÜRDIG Design Gruppe

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