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Wie das Salz in der Suppe – Detailtypografie für Feinschmecker

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Die Diplomarbeit entstand von August bis November 2006 an der FH Salzburg, Studiengang MultiMediaArt. Da die Fachhochschule eine wissenschaftliche Arbeit als Basis für die Benotung verlangt, muss die Arbeit aus einem Thesisteil und einem Werkteil bestehen und eine Forschungsfrage beantworten, die sich zu Beginn der Arbeit stellt. Im Laufe der Arbeit muss an diese Frage herangeführt und diese beantwortet werden. Dem Studenten werden nach der Themenauswahl zwei Betreuer zugewiesen, die jeweils einen Teil betreuen. Die Themenwahl obliegt dem Studenten selbst.

Idee:
Die Idee zum Thema Detailtypografie entstand während des Praktikumssemesters, dass ich in einer größeren Hamburger Designagentur ableistete. Unter Zeitdruck und der großen Quantität von vielen guten und interessanten Aufträgen im Editorial-Design-Bereich hatten selbst Designer mit jahrelanger Erfahrung die Komponente Detailtypografie vergessen. Ohne jegliche Liebe – und manchmal leider auch ohne jegliches Wissen – entstanden Produkte, die ihrer eigentlichen Aufgabe, sie zu lesen, ganz und gar nicht gerecht wurden. In dieser Zeit nahm ich mir vor genau diese einfachen Einheiten der Detailtypografie näher zu beleuchten und die notwendigen Faktoren einer guten Leserlichkeit zu untersuchen.

Natürlich gibt es schon eine relativ große Auswahl von Fachbüchern zum Thema Detail- und Lesetypografie, jedoch bedienen sich Agenturen nur selten des Wissens aus diesen Büchern, da zum Einen ein enormer Zeitdruck herrscht und zum Anderen die Fülle an Informationen auch schnell überfordern kann. Letzteres habe ich persönlich im Agenturalltag erlebt. In vielerlei Hinsicht wird an vielen Gestaltungshochschulen nur unwesentlich Typografie oder auch Detailtypografie und somit die Lehre der guten Leserlichkeit vermittelt. Ohne den entsprechenden Ehrgeiz an den eigenen Anspruch werden sich diplomierte Gestalter nur selten an derart schwierige Themen heranwagen. Aus diesem Grund habe ich versucht, dem Leser mit diesen beiden Büchern Hintergrundinformationen zum Leseprozess, dem Rezeptionsverhalten und schließlich der Bedeutung und korrekten Anwendung der Detailtypografie für den optimalen Leseprozess näher zu bringen.

Theorie:
Die Thesisarbeit umfasst knapp 115 Seiten und geht pragmatisch an die Thematik der Detailtypografie heran. Nach der mehrseitigen Einleitung werden wichtige Begriffe definiert bevor dem Leser im ersten großen Kapitel das Lesen an sich näher gebracht wird. Es werden Fragen geklärt wie … Was ist Lesen? Wie lesen wir und was passiert währenddessen? Auf dieser Basis werden darauf folgend immer mehr Details untersucht, die das Lesen bedingen. Welcher Einfluss hat der einzelne Buchstabe und seine Form? Wie und in welchem Maße trägt das Wort und der Wortumriss zum Lesen bei? Unterlegt von mehreren Zitaten wird im ersten Kapitel schließlich geklärt, ob die Detailtypografie überhaupt nützlich ist.

Im nachfolgenden Kapitel werden die detailtypografischen Faktoren untersucht und nach ihrer Wichtigkeit eingestuft. Hier werden vor allem sämtliche Grundeinheiten besprochen, ohne die ein Fließtext kein leserlicher Text wäre. Diese sind zum Beispiel: die Schriftwahl, die Schriftgröße, der Schriftrhythmus mit den Einheiten Zurichtung & Laufweite, Wortabstand und Kerning, Zeilenabstand und Zeilenbreite, die Satzart sowie andere wichtige typografische Feinheiten.

Um die Frage nach einer fach- und regelgerechten Anwendung von Detailtypografie im Fließtext zu untersuchen, verglich ich zwei Lesebücher, die aktuell erschienen sind und prüfte sie auf Anwendung der typografischen Einheiten. Mit dieser etwa 20seitigen Analyse wurde die Arbeit wissenschaftlich untermauert.

Umsetzung:
Die Theoriearbeit ist mit festen Buchdecken gebunden, mit einem Schutzumschlag versehen und wurde ausschließlich auf das cremefarbene Zanders Zeta micro gedruckt. Zahlreiche Kapiteltrennblätter und bedruckte transparente Seiten ergeben mit den handvernähten Beispielseiten ein in sich schlüssiges Gesamtkonzept, in dem vor allem die Typografie oberste Priorität hatte und mit viel Liebe zum Detail gestaltet wurde.

Werk:
Aufbauend auf die Theorie ist ein Werk dazu entstanden, dass als eine Art Regelbuch für vor allem junge Gestalter anzusehen ist. Setzt man sich später im Laufe der Karriere wieder mit Lesetexten auseinander, so sind viele Regeln, die die Lesetypografie betreffen, wieder vergessen. In diesem kleinen und äußerst kompakten Regelwerk werden Schritt für Schritt die wichtigsten Regeln angesprochen sowie kurz und prägnant mittels Beispielen aus der Praxis erklärt. So finden sich hier Erklärungen zum Schriftschnitt, den Schriftklassifizierungen, den Serifen, zu Wortbildern, zum typografischen Maßsystem, der Schriftgröße, der Anatomie der Buchstaben, der Dickte, Laufweite, Wortabstand, Kerning usw.
Dieses kleine 1×1 der Detailtypografie beschreibt kurz und knapp die Ergebnisse der Thesisarbeit und gibt Denkanstöße sowie Tipps rund um die Detailtypografie in Lesetexten.

Es ist geplant das Regelbuch nach einer weiteren Überarbeitung und weiteren Ausarbeitung im Herbst – Winter 2007 zu veröffentlichen.

Umsetzung:
Das Regelbuch ist etwa 11x16cm groß und ist mit einem Hardcover gebunden. Die Inhaltsseiten wurden für das Diplomwerk digital gedruckt und im Außenfalz gebunden. Abgerundet wird das Buch durch einen Schutzumschlag.

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