Full-Fett! / Diplomarbeit von Meike Adler an der FH Bielefeld im Fachbereich Grafik- und Kommunikationsdesign

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Glanz und Glamour, Superlative, große Wort- und Vorteilsmengen: Meike Adler hat sich in ihrer Diplomarbeit Full-Fett! mit der aktuellen Werbelandschaft, mit Worthülsen und denglischen Begriffen auseinandergesetzt. Entstanden ist unter anderem eine manuell umgesetzte Plakatreihe.

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So oder so ähnlich erleben wir unsere Welt. Ganz nach dem Motto »Advertise mich!« und wenn’s nicht der Werbespot zuhause schafft, dann spätestens das Plakat an der Hausfassade gegenüber. Die Plakatreihe Full-Fett! gibt bekannten Worthülsen ein neues Bild. Sie dekontextualisiert die denglischen Begriffe der Werbersprache und verbindet grafische Effekte mit einer naiven Umsetzung aus Papier. Die Plakatserie gibt Gestaltern einen Impuls zum Nachdenken und zur eigenen Neuausrichtung ihres Verhältnisses zur Werbung. Der Gestalter kann Einfluss darauf haben, ob eine Werbekampagne inhaltlich anspruchsvoll oder eine weitere Wiederholung der immer gleichen Parameter wird. Wiederholungen sind einfach und prägen sich automatisch ein – die Neukonzeption einer Kampagne ist immer mit einem Risiko verbunden – jeder Gestalter muss sich entscheiden, welchen Weg er einschlagen will.

Wir haben Meike ein paar Fragen zu ihrem Projekt gestellt:

Was ist für dich »gute Werbung«? 

Es ist schwer, gute Werbung in ein paar Sätzen zu beschreiben. Gute Werbung muss natürlich auf den jeweiligen Kunden zugeschnitten sein und sich mit der Thematik des Produkts oder der Intention beschäftigen. Optimal wäre es, wenn eine Kampagne einem Konzept folgt, das sich aus Grundsätzen des Unternehmens ableitet. Da Werbung schnell funktionieren muss, entscheiden sich Werber oft für den einfachsten Weg und setzen auf Wiederholungen, plumpe Worthülsen und schnell wirkende Anglizismen. Ich finde es schade, dass derart flache Werbekampagnen, in denen kein Maßstab an Intelligenz abverlangt wird, die Konsumgesellschaft aktiv zur Verdummung treibt. Meiner Meinung nach sollten Konzeptioner darauf vertrauen, dass die Menschen ein höheres Niveau zu schätzen und auch zu verstehen wissen.

Wie man sieht, ist die aktuelle Werbelandschaft anders aufgebaut. Du hast dich mit ihr beschäftigt und selbst Plakate entworfen. Was möchtest du mit ihnen aussagen?

Mit meiner Plakatkampagne Full-Fett! gebe ich einen Impuls zum Nachdenken und zur eigenen Neuausrichtung im Verhältnis zur Werbung. Ich habe mich ein viertel Jahr lang intensiv mit der Umsetzung meiner Werbekampagne beschäftigt und daraus gelernt, wie wichtig es auch in der Werbung ist, sich bewusst mit ihrer Thematik auseinander zu setzen. Meiner Zielgruppe – die Werber – wird mit bewusst falsch kombinierten Werbefloskeln ein Spiegel vorgesetzt, so gebe ich ihnen auf eine ironische Art zu verstehen, wie flach und dumm der einfachste Weg von Werbung sein kann, und appelliere an die moralische und kulturelle Verantwortung der Werber.

Warum kombinierst du in deinen Plakaten bekannte Worthülsen mit Umsetzungen aus Papier?

Die zeitintensive Umsetzung aus Papier bildet einen Kontrast zu dem schnelllebigen Medium. Die digitale Umsetzung von Werbemitteln ist heutzutage gang und gäbe. Digital bedeutet, schnell arbeiten zu können. Alles scheint machbar – Effekt-Paletten in InDesign ermöglichen leichtes Gestalten. Der Grafiker kann sich entscheiden zwischen Verläufen, Outlines und Schlagschatten. Mit diesen Mitteln werden unausgereifte Werbekampagnen in eine ungewollte Uniform gepresst. Dieser Uniform will meine Plakatkampagne trotzen. Durch die manuelle Umsetzung entsteht ein weiterer Effekt. Die Nah-Fernwirkung. Aus der Ferne sehen die Motive perfekt gebaut aus, tritt der Betrachter näher, so erkennt er, dass die Bilder aus Papier gefertigt sind. Klebepunkte, Nylonfäden und Folien werden sichtbar – die schöne Fassade beginnt zu bröckeln.

Es gibt auch ein Heft/Magazin, das begleitend entstanden ist (auf den Fotos der Ausstellung zu sehen). Was kann man darin finden?

In dem abgebildeten Heft wird das Gestaltungskonzept im Detail beschrieben. Dort begründe ich die jeweiligen Elemente und stelle auch die selbstgestaltete Handschrift »Gottlob« vor, die ein starkes Gestaltungsmittel der Kampagne darstellt und den Reihencharakter der Plakatreihe unterstützt. Sie basiert auf der Handschrift einer Bäckersfrau, die noch heute die Werbeplakate ihrer Bäckerei mit Filzer auf Pappkarton schreibt. 

Meike Adler
www.full-fett.de
www.meikeadler.de
post@meikeadler.de





Gast

Yeah! Daumen hoch!

Gast

sehr geil

Johannes

Brandnew ,geiler Stuff!

Daniel

Vom Fach!

Gast

very durchschnittlich.

Gast

Die plakatreihe ist ansprechend und die antworten einleuchtend - sieht super aus!

Gast

Ich lach mich tot, ehrlich! Ich finds extrem geil!

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