Interviews

Gletschermilch von Ester Vonplon / Special Schweizer Fotografie

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Im Rahmen der baldigen Veröffentlichung des Slanted Magazins #23 – Swiss Issue, in dem wir uns schwerpunkthaft mit Schweizer Grafik beschäftigen, möchten wir euch gerne auf einige interessante Fotoserien und tolle Fotografen aus der Schweiz hinweisen,  die uns während der Recherchen ins Auge gefallen sind. 

Eine dieser Strecken ist von der Künstlerin und Fotografin Ester Vonplon und zeigt eine bedeckte Gletscherlandschaft und die Auswirkungen der Nässe und Sonne auf die Bedeckung. In ihren Bildern ist eine Ruhe spürbar, die allerdings nicht sehr angenehm ist. Die Aufnahmen wirken melancholisch. Ester Vonplon zeigt einen dokumentarischen Ansatz in ihren Arbeiten auf, doch ihre künstlerische Persönlichkeit tritt deutlicher zum Vorschein. 

Mit ihrer Arbeit beginnt unsere kleine Blog-Serie besonderer Schweizer Fotografie, innerhalb derer wir bis zum Release der neuen Ausgabe (Ende April) in regelmäßigen Abständen eine Fotografin oder einen Fotografen vorstellen werden. Wir wünschen euch viel Spaß beim Entdecken.

(Als Gletschermilch oder Milch des Gletschers bezeichnet man das grau oder weiß getrübte Abflusswasser eines Gletschers. Die Trübung entsteht durch den Transport fein zerriebenen Gesteins im Wasser. Trifft Sonnenlicht auf diese Suspension, werden von dem Gesteinsmehl vor allem die blaugrünen Anteile des Lichts reflektiert, sodass derartige Seen in einem satten Türkis leuchten.)

Ester Vonplon: »In diesem Jahr verbrachte ich viele warme Sommertage auf dem Gletscher. Ich sah dabei zu, wie das Eis langsam und stetig schmolz. Es erinnerte mich an ein langsames Sterben. Die Gletscher, welche ich besuchte, waren den ganzen Sommer lang bedeckt von weißen Tüchern. Riesige Bahnen, nachlässig mit langen, krummen Stichen zusammengenäht. Sie dienten dazu, an sonnigen Tagen die direkte Strahlung von den Eismassen abzuhalten.

Geschmolzen sind sie trotzdem. Stetig tropfte es von den Eisblöcken unter den Tüchern. Die Nässe des Eises, über Wochen und Monate der Natur ausgeliefert, verfärbten sich die weißen Tücher langsam. Die Gletschermilch, welche sie nässte, hinterließ kleine dunkle Rinnsale auf den weissen Bahnen.«

Ester Vonplon im Slanted Interview

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
2002 arbeitete ich beim Film in Berlin. Dort begegnete ich einem Professor für Fotografie. Er bewegte mich dazu, auf dem Flohmarkt eine Kamera zu kaufen. Kurz darauf reiste ich nach Bukarest und fing an zu fotografieren.

Worum geht es dir in deinen Arbeiten? Was möchtest du mit deinen Fotos auslösen?
In meiner Arbeit möchte ich Geschichten erzählen. Leise Geschichten, die vielleicht nicht auf den ersten Blick sichtbar sind. Oftmals handeln sie von der Vergänglichkeit und dem Vergessenen.

Wie wichtig ist dir die Technik?
Die Technik als Handwerk ist essenziell. Nur wer die Technik beherrscht, hat die Freiheit alles zu verwerfen.

Wer oder was inspiriert dich?
Mein Umfeld, dem ich täglich begegne. Stunden in Buchhandlungen. Ziellos durch die Welt spazieren. Handgeschriebene Briefe am Morgen im Briefkasten. Ein Konzert ... – Das Leben!

Was macht eine gute Arbeit aus? Was muss sie bieten können?
Raum für eigene Interpretationen lassen und noch nach Tagen in Gedanken auftauchen.

Ester Vonplon, 1980 in Schlieren, Schweiz, geboren, lebt und arbeitet als Künstlerin und Fotografin in Chur. Nach einer kaufmännischen Ausbildung absolvierte sie die Schule für Fotografie am Schiffbauerdamm in Berlin. Die Zürcher Hochschule der Künste schloss sie 2013 mit dem Master of Fine Arts ab. Die Künstlerin präsentiert ihre Arbeiten in Ausstellungen im In- und Ausland und in thematisch gebündelten Kunstbüchern, die in sehr kleiner Auflage erscheinen. Ihre Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem 2008 als Schweizer Fotografin des Jahres, 2011 FOAM Talents, 2014 Gewinnerin des Südost Medien Preis des Bündner Kunstmuseum. Ester Vonplon wird von der renommierten Pariser Galerie VU’ repräsentiert. 

estervonplon.com

Gast

Das sind unglaublich ruhige, starke und fast mystische Bilder. Die Fotos gefallen mir sehr gut - schön, dass es auch heute noch junge Fotografinnen und Fotografen gibt, die sich Zeit nehmen, erst hinzusehen und dann in aller Ruhe Bilder zu gestalten. Die Bilder erinnern an die alten Meister mit ihren Grossformat-Kameras. Super, gratuliere.

Werner Beilstein

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