»Das Lesikon der visuellen Kommunikation« und »Flight« / Eine Bibel und ein Fotoband ...

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»Das Lesikon der visuellen Kommunikation« und “Flight” habe ich auf der Buchmesse das erste Mal in der Hand gehabt und war von beiden Büchern angetan; wenn ich auch zugeben muss, die 3.000 Seiten (!) von Juli Gudehus Lesikon nicht komplett gelesen zu haben – einen Teil davon, ja.

Lesikon der visuellen Kommunikation

Das Lesikon ist, wie der Name ja schon erahnen lässt, ein Lexikon. Ich finde sogar, dass es eine Art Bibel der visuellen Kommunikation ist. Typisch dafür: hauchdünnes Papier (32g/qm), welches natürlich optisch und konzeptionell gut passt, mir aber nicht so richtig gut in der Hand liegen will und ich fürchte, dass ich es beim zehnten, wissbegierigen Durchblättern leider anreißen werde. Ist wahrscheinlich einfach eine Geschmackssache.

Meine Hochachtung aber für Juli Gudehus – keine Ahnung, wie lange sie an diesem Wälzer gearbeitet hat – nicht nur inhaltlich, sondern auch handwerklich (in jedem Lesikon sind diverse, einzigartige Lesezeichen, die in jedem Buch anders sind. Juli hat die Reihenfolge dieser typografischen Alltagsbeispiele übrigens für jedes Buch der gesamten Auflage selbst festgelegt!). Im Editorial heißt es: »Dabei fing alles ganz harmlos an. Eine nicht ganz gefüllte A4-Seite für einen Typographie-Workshop, darauf Begriffe wie Hurenkind, Brotschrift und Laufweite. So war es. War es so? Mit einem zeitlichen Abstand von neun Jahren beginnt vermutlich die eigene Geschichtsklitterung ... ich meine mich jedoch erinnern zu können, dass dies die Keimzelle für mein Lesikon war, weil mir dabei auffiel, wie bildreich viele der Fachbegriffe in der visuellen Kommunikation sind und wie sie anfangen, eine Geschcihte zu erzählen, wenn man sie in eine entsprechende Reihenfolge bringt.«

An diesem Punkt möchte ich auch zu meinem Kollegen Jürgen Siebert vom Fontblog verweisen, der einige sehr ausführliche Artikel zum Lesikon geschrieben hat.

Übrigens: Noch bis Ende des Jahres kostet das Lesikon 80 Euro, danach 100 Euro. Ein sinnvolles Weihnachtsgeschenk ...

Pressetext: Jede Branche hat ihre Sprache, nutzt selbstverständlich Worte, die es wert wären, sie auf der Zunge zergehen zu lassen: Wann setzt der erste Gestalter den Fuß auf den Garamond? Und wer klärt den Mord im Quark-xPress auf?9.704 Begriffe der visuellen Kommunikation hat Juli Gudehus zusammen getragen, mit Unterstützung von 3.513 „Co-Autoren“ definiert, kommentiert, mit Meinungen und Erfahrungen garniert und geordnet. Nicht von A bis Z, sondern von Avantgarde bis After Image, nicht streng logisch, sondern kreativ assoziativ webt sie daraus eine unendliche Geschichte. Widersprüche erden zum Denkanstoß. Das Lesikon ist ein „Facebook“ mit 3000 hauchdünnen Seiten. Ein literarisches Labyrinth, in dem Sie surfen und sich treiben lassen, sich verlieren und Vertrautes wieder finden. Eine Odyssee, die genau so viele Fragen aufwirft, wie sie beantwortet. Ein Spiegelkabinett, das Perspektivwechsel fördert und den Horizont erweitert. Ein Kaleidoskop, das Ihre Wahrnehmung von Sprache verändert.

Das Lesikon der visuellen Kommunikation
Eine Collage
3.000 hauchdünne Seiten auf Bibel(!)druckpapier gedruckt mit 5 individuellen Fundstücken der Alltagstypografie als Lesezeichen
9.704 Begriffe und keine einzige Abbildung
Format 23,7 x 16,0 cm
klebegebundene Broschur im Cabrio-Schuber

Subskriptionspreis bis 31.12.2010: Euro 80,-
Danach: Euro 100,-

ISBN 978-3-87439-799-5

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Flight

Flight habe ich an einem kleinen Stand auf der Buchmesse entdeckt. Ganz unscheinbar stand es im Regal des Frankfurter Verlags Trademark Publishing (www.trademarkpublishing.de). Flight ist eine fotografische Reise von Antonia Henschel. 1 Jahr lang reiste sie durch verschiedene Metrolopen und hielt ihre Eindrücke fest. Interessant an der Gestaltung: Das Bildmaterial sitzt immer nur auf der rechten Seite und die linke bleibt (fast) immer leer. Manchmal blitzt in Helvetica ein Städtename durch, um anzuzeigen, dass die fotografische Reise ein neues Ziel erreicht hat.

Leider ist auf unseren Fotos die goldene Heißfolienprägung der Typo auf dem Leinen-Cover nicht gut erkennbar. Helles Leinen und Gold – sieht wahnsinnig toll aus!

Pressetext: Wer wissen will, wohin die Reise geht, sollte die Zeichen von Zeit und Raum erkennen können. Eine unverzichtbare Sehhilfe für nah und fern ist da: Flight. In alphabetischer Reihenfolge sind sie aufgelistet, all die Orte, die Antonia Henschel innerhalb eines Jahres bereist hat, von Amsterdam über New York und Stockholm bis Zürich. Hier steht es schwarz auf weiß, klar und schnörkellos, in Versalien und in Helvetica, und doch braucht man eine Weile, um sich einzufinden in die typografischen Brüche. Nur wer es wagt, über die Zeile, ja manchmal auch über die Seite hinweg zu springen, wird mit einem vollständigen Wort belohnt. Erst wenn das Auge trainiert ist, Strukturen wahrzunehmen und Leerstellen zu überbrücken, darf es einen Blick auf die Bilder werfen. In Milano geht der Vorhang auf. Dann folgen Farbfotografien, jeweils auf einer rechten Seite und in satten Farben auf matt gestrichenes Papier gedruckt, die sehsüchtig machen. Diesmal ergibt sich die Ordnung aus der Chronologie der Ereignisse. Die Fotografien erzählen – zumeist im Hochformat – von olivgrünen Uniformen, martialischen Straßenlaternen und aufgesockelten Zierpflanzen in Beijing. Von nicht entzifferbaren Straßenschildern auf der Isle of Wight. Von vereisten Thunfischen, versierten Fensterputzern und roten wie grünen Leitkegeln in Tokio. Von Regenschirmen, die in Kassel in stiller Eintracht im Auepavillon trocknen. Vor allem aber von ornamental gepflasterten Bürgersteigen, rautenförmig gemusterten Hausfassaden und rhythmisch wogenden Gardinen.

Der Einzelne, sei es ein Soldat, ein Arbeiter oder eine Braut, hat es schwer, sich gegenüber der Übermacht der Farben und Formen zu behaupten, scheint sich nahtlos einzufügen in die Struktur der Landschaft und der Städte. Was Antonia Henschel in gerade einmal 364 Tagen zusammengetragen und auf 554 Seiten ausgebreitet hat, versetzt in Begeisterung und Erstaunen. Und spart jede Menge Kerosin. Denn warum in die Ferne schweifen, wenn man zu Hause in einem solchen Buch blättern kann? Flug und Flucht darf man getrost Antonia Henschel überlassen.

Flight
Photography by Antonia Henschel

263 Farbabbildungen
240 x 170 mm, 544 Seiten, Leinen, gebunden
ISBN 978-3-9812294-0-0
EUR 36,00
Ausgezeichnet mit dem red dot award 2009

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Gast

Ja. Was für ein Mega-Werk. Gratulation. Ich wünschs mir zu Weihnachten. Irgendwie gehörts doch ins Regal und darf sich bei mir fett machen.

LG
Toby

lars

LESIKON & WÄSCHELEILA
Henny und Juli Gudehus zu Gast bei schaden.com
im Rahmen der Design-Ausstellung »Passagen«
während der Internationalen Möbelmesse
d-q-e.net/programm_designparcoursehrenfeld2011.html

17. bis 23. Januar 2011

schaden.com
Körnerstraße 6-8
50823 Köln

Montag bis Freitag 13 bis 20 Uhr,
Samstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr

Empfang: 20. Januar 2011 ab 18 Uhr

lars

Info von Jule:

Liebe Autorinnen und Autoren meines Lesikons,

wie Sascha Lobo einmal richtig bemerkte: »Man geht heute (als Buch) nicht mehr ohne (Website).« Darum gibt es ab sofort die Seite zum Buch, www.lesikon.net.

Viel Vergnügen - vor allem mit der Rubrik »unbenannte Phänomene«, in der Ihr neue Begriffe der visuellen Kommunikation prägen könnt. Wenn ich noch einen verspäteteten Geburtstagswunsch äußern darf ... mit einer Erwähnung auf Euren Websites, Tweet / Facebook-Eintrag, daß Ihr auf meine Einladung dafür Texte verfaßt habt, zusammen mit einem Link auf die Lesikon-Website macht Ihr mir eine ganz besondere Freude!

Herzliche Grüße,
Eure
Juli Gudehus

lars

Info von Jule für Mai 2011:

Auf, liebe Co-Stars, auf!
Kommt nach Berlin, zum feiern, zum Freudentanz und zum vorlesen! Und zwar am

1 4 . M A I
V O N 1 2 U H R M I T T A G S B I S 1 2 U H R N A C H T S

im bezaubernden Museum der Dinge, mitten in ihrer phantastischen Sammlung von Designerzeugnissen der Alltagskultur aus über 100 Jahren. Es gibt wohl kaum einen geeigneteren Ort für

D A S L E S I K O N &
D I E G R Ö S S T E A U T O R E N L E S U N G D E R W E L T

Ich kann es kaum erwarten, Euch einander vorzustellen und mit Euch endlich endlich auf das LESIKON anzustoßen. Jubel und Trubel! So verschieden wie Ihr und Eure Texte seid - ich bin sicher, es wird ein tolles Spektakel, schwungvoll, witzig und bereichernd. Umspült werden wir dabei von der »13. Langen Buchnacht«, an der unter anderem Max & Moritz, Schmitz Katze und der Bierhimmel teilnehmen. Übrigens sind wir bereits dann reif für das Guinessbuch der Rekorde, wenn wir mehr als 104 Autoren sind - was wir, denke ich, hinkriegen sollten! Jetzt also nur noch formlos bei mir

A N M E L D E N B I S 1 4 . A P R I L

Wenn Ihr mir keine präferierte Tageszeit für Euren Auftritt nennt, takte ich Euch irgendwo zwischen 12 und 12 ein. Wenn Ihr Lust habt, einen anderen Co-Autor als Überraschungsgast zu beherbergen / wenn Ihr gern bei einem anderen Co-Autor als Überraschungsgast übernachten würdet, laßt mich das wissen!

Ich freue mich wie verrückt!
Eure
Juli

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