Olivine

von URW Type Foundry

Autor: Isabella Krüger

Die neuesten Trends der Typografie führen hin zum Primitivismus und weg vom bisher angestrebten formellen Aufbau der Gestaltung von Schriftarten. In der Kunst ist der Primitivismus seit 1912 durch Arbeiten wie Wassily Kandinskys »Der Blaue Reiter« definiert und populär geworden. 
Im Gegensatz zur Kunst dienen Schriften der Übertragung von Informationen, weshalb der Erfahrungswert des Betrachters berücksichtigt werden muss. Folglich muss sich wahrer Primitivismus in der Schriftgestaltung der Herausforderung der Lesbarkeit stellen, denn diese trägt die höchste Signifikanz im Leseprozess.

Olivine ist eine Erkundung der Formen. Sie kombiniert Elemente des Primitivismus mit denen des Rationalismus. Sogenannte Ink Traps sind Hinterlassenschaften aus einer Zeit, in der Schriftstücke noch mit dreidimensionalen Metallobjekten und unter herausfordernden Druckbedingungen wie minderwertigem Papier und ungleichmäßiger Tintenverteilung reproduziert werden mussten. Die negativen Einzüge der Schrift bewirkten das Sammeln von überschüssiger Tinte in definierten Bereichen und verhinderten so ein Verwischen der Zeichenform.

Heutzutage sind Ink Traps stilistische Mittel der Typografie, die ihr eine besondere Ausdruckskraft geben. Um die ausgeprägten Merkmale der Ink Traps in Fließtexten zu vermindern, diese bei Headlines hingegen zu betonen, bedient sich Olivine konsistent angewendeter Nuancen der Typografie.

Betrachtet man beispielsweise die Majuskel »A«, so verringert in kleineren Punktgrößen die Aussparung die Dichte der Tinte zwar am entscheidenden Punkt, tritt jedoch optisch in den Hintergrund. So entsteht eine einheitliche, regelmäßige typografische Textur.
 Die Überlängen sind erforderliche visuelle Kompensationen, um runde oder spitze Buchstaben auf gleicher Höhe wie flache Buchstaben erscheinen zu lassen. So kann die menschliche visuelle Wahrnehmung überlistet und optische Täuschungen unterbunden werden. Olivine gelingt es, diesen Ausgleich ins Extreme zu treiben, ohne den vertikalen Rhythmus der Zeichenformen einzubüßen.

Ein ehrgeiziger Aspekt der Typografie und Schriftgestaltung ist es, die richtige Balance zwischen augenfälligen Aspekten der Schrift und den unterbewusst wahrgenommenen Eigenschaften zu erzeugen – ein Drahtseilakt zwischen starken, charakteristischen Gestaltungsbausteinen und der Abwesenheit definierender Elemente. Durch den Kontrast der rhythmischen Proportionen von Olivine und dem exzellenten Spacing ihrer Zeichen, mit den auffallenden Überlängen und Ink Traps, wird diese Ausgewogenheit erzeugt. Die Symbiose aus attraktiven, experimentellen Details und notwendigen, zurückhaltenden Qualitäten macht Olivine zu einem ansprechenden, harmonischen Schrifttyp, der Formalität und Freundlichkeit vereint.

Wenn du deinem Design das gewisse Etwas verleihen möchtest, dann verwende Olivine. Die Schriftfamilie erscheint in den drei Weiten Narrow, Regular und Wide und ist mit ihren 42 Schnitten bestens für die typografischen Ansprüche unserer Zeit gerüstet. Überzeuge dich selbst: Die Schnitte Medium und Medium Italic sind auf MyFonts für die unbegrenzte kommerzielle Nutzung frei verfügbar.

Olivine

Schriftverlag: URW Type Foundry
Designer: Pria Ravichandran
Veröffentlichung: März 2019
Format: OTF, TTF, WOFF, WOFF2
Schnitte: 42
Preis: Volume: 110,– €, Schnitt: 20,– €

 

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