Pictoplasma-2019-Slanted

15th Pictoplasma Berlin 2019: INTER–FACES

International Conference und Festival of Contemporary Character Design und Art

Autor: Alex Staudt

In seiner 15. Jubiläumsausgabe präsentiert das Berliner Pictoplasma Festival die Figuren von morgen – und eine überraschende Auswahl zeitgenössischen Character Designs, das international für Aufsehen sorgt und neue visuelle Trends setzt. Aus aller Welt reisen Kreative und Producer aus Illustration und Animationsfilm, Game Design und Graphic Arts zur zentralen Konferenz, um Strategien für die Gestaltung der nächsten Generation von Charakteren zu entwickeln. Stars der Szene und aufstrebende Talente teilen hier ihre konzeptuellen und technischen Herangehensweisen mit einem internationalen Publikum. Das begleitende Rahmenprogramm öffnet sich der breiten Öffentlichkeit und gewährt Einblicke in aktuelle Tendenzen: Viele der teilnehmenden Künstler*innen zeigen ihre Arbeiten in Galerien in Berlin Mitte, die Avantgarde des Animationsfilms bespielt die große Kinoleinwand, und Performances laden Zuschauer zum direkten Spiel mit den Figuren ein.

Zur Feier der 15. Festivalausgabe erkundet eine zentrale Installation und Gruppenausstellung das Potential abstrakt bleibender Charaktere, in uns das Gefühl von Interaktion auszulösen. Damit möchte das Festival den Diskurs von seinem gegenwärtig technologischen Fokus und hohen Erwartungen an nahtlose Immersion erweitern — und zwar um den Blick auf den emphatisch aufgeladenen Raum zwischen Betrachter*in und Betrachtetem. Für die Ausstellung bespielt Pictoplasma die neue unterirdische Betonhalle des Silent Green, die derzeit zu einem Zentrum für audiovisuelle Forschung umgebaut wird. 

In der Sektion Animationsfilm zeigt das Festival eine brandneue Auswahl von mehr als 100 ausgewählten Kurzfilmen in vier Programmen, bei denen die meisten der Filmemacher*innen anwesend sein werden, um ihre Arbeiten in Fragerunden zu erläutern. Die Auswahl präsentiert neue narrative Filme, Musik Videos und experimentelle Formate von Studios und Filmemacher*innen aus aller Welt. Animierte Kurzfilme können noch bis 15. Februar 2019 eingereicht werden. Mehr Information findet sich auf conference.pictoplasma.com/animation

Zusätzlich lädt Pictoplasma im Vorfeld des Festivals Illustratoren, Filmemacher und Designer ein, an einem neuen Open Call for Entries teilzunehmen und universelle Emotionen als animierte #CharacterReactionGIFs in Szene zu setzen: Traurigkeit und Freude, Erwartung und Überraschung, Abneigung und Vertrauen, Groll und Angst. Der offene Aufruf möchte durch Empathie, Haltung und spielerischer, non-verbaler Gestik der gegenwärtigen Lawine von Internet Akronymen, ALL-CAPS Beschimpfungen und Whataboutism in unseren sozialen Medien begegnen: mit emotionalen, auf den Punkt gebrachten Animationsvignetten, die die überhitzte Kommunikation mit Stil beenden.

Eine Auswahl der Einreichungen wird im Rahmen des Festivals in einer Installation präsentiert, und drei Gewinner erhalten ein freien Festival-Pass inklusive Konferenz-Registrierung. 

Weitere Informationen findet ihr hier.

REGISTRIERUNG
Die Teilname an der dreitägigen Pictoplasma Conference (09. – 11. Mai) setzt eine Online-Registrierung zum Preis von 290,- Euro voraus. Rabatte für Student*innen und Gruppen werden gewährt. Tickets für die Filmprogramme des Festivals sind an der Abendkasse des Babylon erhältlich. Der Eintritt zu den Ausstellungen ist frei.

Erste bestätigte Redner*innen sind:
Cabeza Patata (UK/ES)
Das Kreativduo besteht aus Katie Menzes, englische Illustratorin mit Vorliebe fürs Handwerkliche, und ihrem Partner, dem spanischen 3D Animator Abel Reverter. Ihr farbenfrohes Werk wird von selbstbewussten Figuren mit markant rundem Kartoffelkopf (so auch die wörtliche Übersetzung ihres Namens) auf elegantem Hals bevölkert. Sie tauchen derzeit überall auf, ob als Mural auf den Straßen Barcelonas, animiertem GIF im Internet oder 3D Animation für die Royal Society for the Arts.

Cornelia Geppert (DE)
Cornelia Geppert ist CEO und Creative Director von Jo-Mei Games. Sie war federführend für das neue Game ‘Sea of Solitude’, in dem Spieler eine junge Frau namens Kay zum Avatar haben, die eine verlassene, überflutete Stadt erkundet, die von einem Monster bewohnt wird. Dabei führt die Reise Kay dazu, ihrem eigenen, inneren Monster zu begegnen. Cornelia beschreibt das Projekt als ihr bisher persönlichstes und künstlerischstes Werk, vor allem auch, da es sie dazu brachte, ihre eigenen Ängste und Gefühle zu erforschen.

dina Amin (EG)
Die Designerin aus Kairo arbeitet spielerisch an den Übergängen zwischen den Genres. 2016 startete ihr Instagram Projekt ‘Tinker Friday – Bastel-Freitag’, das ihre Vorliebe für Produkt Design und Stopptrick vereint und zur Reflexion über unsere Konsumkultur einlädt. dina hat diese Praxis kontinuierlich zum Tinker Studio erweitert, in dem sie Stop Motion Videos für Kunden und Firmen weltweit produziert. 

Elenor Kopka (DE)
Elenor Kopka arbeitet als Freelance Animationsfilmemacherin und Illustratorin in Berlin. Sie ist vor allem für ihre Charaktere bekannt, die in ständiger Metamorphose sind, grobkörnig in schwarz-weiß aufgelöst. Ihre Arbeit ist inspiriert von Geistern und Cartoons, die sie in Kurzfilmen, Musikvideos und GIFs verarbeitet. 

Félicie Haymoz (CH/USA)
Die schweizerische Illustratorin mit Sitz in Brooklyn ist international bekannt als Wes Anderson’s Character Designerin der Wahl. Sie war im Alleingang für sämtliche Figuren seiner Animationsfilme ‘Fantastic Mr. Fox’ und ‘Isle of Dogs‘ verantwortlich, die nach ihren akribischen Entwürfen in liebevolle Stopptrickpuppen übersetzt wurden. 

Jeron Braxton (USA)
Der Autodidakt ist ein All-Round-Talent mit unverwechselbarem 3D Animationsstil, der an die Poligon-Ästhetik der früheren Playstation 2 erinnert. Seine Kurzfilme behandeln die Lebensrealität schwarzer Amerikaner: der beim Sundance Festival 2018 als bester Animated Short Film ausgezeichnete ’Glucose’ zeichnet die belastete Geschichte des Zuckers als Motor für den Sklavenhandel nach, während der heiß erwartete Nachfolger, ‘Octane’, eine psychedelische Genealogie des modernen Polizeiwesens aus dem Regime von Sklavenwächtern liefert. 

Kitty Calis/Jan Willem Nijman (NL)
Die Game Designer und Produzenten haben kürzlich das Videospiel ‘Minit’ veröffentlicht, das mit ikonischer Spielfigur, minimaler Pixel-Ästhetik in Reminiszenz früher Konsolenklassiker und cleverer Spiellogik zum diesjährigen Überraschungshit der Indie-Szene wurde. Jede Runde ist auf jeweils 60 Sekunden reduziert. Die Spieler navigieren ein Schnabelwesen aus der Sicherheit der eigenen vier Wände, um die Welt zu erkunden, skurrilen Gestalten zu begegnen, und abenteuerliche Rätsel zu lösen. All dies in der Hoffnung, einen unseligen Fluch zu bannen, der jeden Tag nach genau einer Minute enden lässt. 

Laurie Rowan (UK)
Der preisgekrönte Animator und Illustrator von der Südküste Englands hat sich international durch seine Arbeit an animierten Werbefilmen und Game Design für hochkarätige Kunden und Kampagnen einen Namen gemacht. Neuerdings wendet sich Laurie verstärkt seinen eigenen, freien Illustrationen und Animationen zu, die visuell brilliant das körperlich Groteske aktualisieren und als virale Hits im Internet kursieren.

Luke Pearson (UK)
Der Illustrator und Comic Autor aus Nottingham ist vor allem für seine Graphic Novel Serie ‘Hilda’ bekannt, die kürzlich zudem als erfolgreiche Netflix-Serie realisiert wurde. Luke zeichnet aber auch Comics, die nicht um Hilda kreisen, hat als Storyboard Artist für ‘Adventure Time’ gearbeitet und animiert Filme mit seiner Lebenspartnerin, der Illustratorin und Autorin Philippa Rice.

Nikita Diakur (DE)
Der in Russland geborene Filmemacher hat mit seinen Filmen ‘Ugly‘ und ‘Fest‘ in letzter Zeit auf Festivals rund um den Globus so ziemlich alle Preise eingesammelt. Für seinen einzigartigen Animationsstil hat er sich einen Zugang erarbeitet, der auf dynamischer Computer-Simulation beruht und die Figuren wie virtuelle Marionetten agieren lässt, was genreuntypischen Raum für Spontanität, Zufall und Fehler liefert. Diakur hält regelmäßig Vorträge und gibt Workshops an Universitäten, war Artist in Residence am Q21 in Wien und ist Mitglied der Europäischen Filmakademie.

Philippa Rice (UK)
Die gefeierte Autorin des #1 New York Times Bestellers ‘Soppy’ arbeitet in einer Vielzahl von Medien und Genres – von Comic, Illustration und Collagen zu Modellbau, Stopptrick oder gehäkelten Skulpturen. Philippa lebt in Nottingham mit ihrem Partner, dem Comicautor Luke Pearson, und ihrer gemeinsamen Tochter. Viele ihrer Arbeiten basieren auf ihrem echten Leben, und beweisen mit viel Charme ein treffsicheres Gespür für die kleinen romantischen Momente die sich im täglichen Alltag verstecken.

Sos Sosowski (PL)
Der frühere Schullehrer nennt sich selbst den Mad Scientist der Video Games. Seine Passion für Videospiele führte zu einer regelrechten Abhängigkeit, die er in eigenen Spielen wie ‘Thelemite’ oder ‘McPixel’ zu überwinden versuchte. Kürzlich versuchte er sich am ‘schlechtesten’ Videospiel aller Zeiten: Der ‘Mosh Pit Simulator’ ist eine VR Experience über eine Welt, die von gehirnlosen Humanoiden überrannt ist, die unser Alltagsverhalten mehr schlecht als recht fortzusetzen versuchen (Shoppen, Daten, Autofahren). Die Spieler entscheiden, ob sie hierfür Empathie entwicklen können—oder sich ihnen in den Weg stellen.

Weitere Künstler*innen des Festivals und alle Details zum Rahmenprogramm mit Performances, Parties, Ausstellungen und Filmprogrammen werden Anfang März bestätigt.

Wann?
8. – 12. Mai 2019

Wo?
Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz, ACUD, Silent Green
und ein Ausstellungsrundgang durch Berlin-Mitte

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