Adobe Hidden Treasures: Bauhaus Dessau / Teil 3: Alfarn

Adobe Hidden Treasures: Bauhaus Dessau

Teil 3: Alfarn

Autor: Clara Weinreich

Zum 100-jährigen Jubiläum des Bauhaus Dessau hat Adobe das schöne Projekt »Adobe Hidden Treasures – Bauhaus Dessau« ins Leben gerufen, bei dem fast vergessene, unvollendete Schriftentwürfe und Buchstaben-Skizzen legendärer Bauhaus-Meister aus den Archiven geholt und nun vervollständigt wurden.

In Zusammenarbeit mit der Stiftung Bauhaus Dessau, Erik Spiekermann und einer Gruppe Studenten, hat Adobe das Projekt realisiert und mittlerweile bereits die drei Schriften Xants, Joschmi und CarlMarx veröffentlicht, die zur Installation via Typekit zur Verfügung stehen.

Wir dürfen euch nun die vierte Schrift präsentieren: Alfarn, basierend auf der Arbeit von Bauhaus Student Alfred Arndt. Sie wurde von Céline Hurka (Royal Academy of Art (KABK) in Den Haag) gestaltet. Wir haben ein exklusives Interview mit der Gestalterin geführt, in dem sie uns persönliche Einblicke in die Arbeit an der Alfarn gewährt.

Was fällt Dir spontan zum Bauhaus ein?
Ich muss dabei eigentlich hauptsächlich daran denken, wie sich zu der Zeit viele fundamentale Ideen in der Kunst, Architektur und Design verändert haben. Es erinnert mich auch daran wie wichtig ein Studium sein kann, da es die Möglichkeiten hat neue generelle Ansätze und Strukturen zu formen. Visuell assoziiere ich mit dem Bauhaus eine gewisse Einfachheit und Reduzierten in Formen und Farben, sowie eine verspielte Genauigkeit und Strenge.

Wie bist Du zum Projekt Adobe Hidden Treasures gekommen?
Mitte April hat mich Erik van Blokland angeschrieben und mir das Projekt vorgestellt. Als er mir angeboten hat daran teilzunehmen, habe ich mich natürlich sehr gefreut. Uns wurden damals die verschiedenen originalen Entwürfe aus dem Bauhaus gezeigt und die Buchstaben auf dem Plakate von Alfred Arndt sprach mich sofort an. Glücklicherweise konnte ich dann auch direkt eine Woche später mit dem Entwerfen genau dieser Buchstaben anfangen. 

Welche Gedanken hast Du Dir bei der Schriftgestaltung gemacht?
Am Anfang des Projektes habe ich mich zunächst einmal visuell mit der Technik die Alfred Arndt auf dem Plakat verwendet hat auseinandergesetzt. Bei näherem Betrachten fällt nämlich auf, dass er vermutlich mit einem Pinsel gearbeitet hat. Das war für die generelle Konstruktion und für einige Details enorm wichtig, da die Technik auch mit gewissen Einschränkungen verbunden ist.

Gleichzeitig habe ich über Arndts Lebenslauf recherchiert und herausgefunden, dass er sowohl einen Bezug zur Malerei als auch zur Architektur hat. Daraufhin beschloss ich die Schrift auf einem Linienraster geometrisch zu konstruieren und viele der optischen Ausgleiche auf ein Minimum zu reduzieren. Eine der größten Schwierigkeiten war auch, dass ich im Original recht wenige Buchstaben zur Verfügung hatte und das verschiedene Schnitte vorlagen, zwischen denen ich mich entscheiden konnte. Im Endeffekt habe ich mehrere ausgearbeitet, die in der Schrift als Features verwendbar sind. Insgesamt war es mir sehr wichtig die Schrift nicht zu starr und geometrisch zu halten sondern auch spielerisch mit den Formen umzugehen.

Was nimmst Du aus dem Projekt für Dich persönlich mit, was hast Du dabei gelernt?
Vor dem Projekt hatte ich mich noch gar nicht so sehr mit Schriftgestaltung aus dem Bauhaus auseinandergesetzt. Rückblickend war es natürlich spannend mehr über diese Zeit zu erfahren und auch mit deren Herangehensweisen zu experimentieren. Das Schöne an dem Projekt war auch andere Studenten kennenzulernen und uns über unsere Schriften auszutauschen. 

Gleichzeitig ist diese Schrift ja auch meine erste, die veröffentlicht wird und da gab es sowohl technisch als auch organisatorisch einige Dinge, die ich gelernt habe. Da alles recht schnell ging und wir nur einen Monat für die Gestaltung hatten, war das ein ganz anderer Prozess als bei früheren Schriften, die ich an der KABK über mehrere Monate entworfen habe. Abschließend würde ich mich auch gerne nochmal bei Erik van Blokland, Paul van der Laan, Peter Verheul, Ferdinand Ulrich und Erik Spiekermann für ihr Feedback und ihre Unterstützung bedanken. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich viele Dinge, die ich bei diesem Projekt gelernt habe, die ich auch in Zukunft gut gebrauchen kann.

Alfarn
Alfarn basiert auf Großbuchstaben, die der Bauhausstudent Alfred Arndt (1898-1976) 1923 für ein Plakat zeichnete, das für eine Bäckerei in Jena, Thüringen, werben sollte. Das Plakat ist ein Beispiel für das, was wir heute »Bauhaus-Features« nennen: gelber Kreis, rotes Quadrat, schwarze Balken und ein Hinweis auf geometrische Beschriftungen, die in den folgenden Jahren so beliebt wurden. Céline Hurka analysierte Arndts Schriftzug sorgfältig und leitete zwei Gewichte in verschiedenen Breiten ab: Wide und Condensed, verfügbar als OpenType-Alternative. Sie nahm die charakteristischen Balken und verwandelte sie in ein unterstrichenes Eigengewicht. Hurka zeichnete auch perfekt ausgewogene Small Caps, die die fehlenden Kleinbuchstaben ausgleichen. Alfarn fängt den Geist der vom Bauhaus beeinflussten Plakate der 1920er Jahre ein – ein zeitloser Stil, der sich gut für zeitgenössische Designs eignet.

Designwettbewerb:
Mit der Veröffentlichung der Schrift startet Adobe auch den nächsten von fünf Designwettbewerben, bei dem alle Kreativen dazu aufgerufen sind erstmals mit den neuen Schriften zu gestalten. Es gibt exklusive Preise zu gewinnen, darunter eine Reise ins Bauhaus-Archiv nach Dessau. Mehr Informationen zur Teilnahme hier.

Demnächst zu sehen:
Schrift 5: ab September 2018 – Gestaltet von Elia Preuss, basierend auf der Arbeit von Bauhaus Meister Reinhold Rossig

Hintergrund:
Obwohl das Bauhaus nach seiner Eröffnung nur 14 Jahre aktiv war, gilt es noch heute als die bekannteste moderne Schule für Architektur, Design und Kunst der letzten 100 Jahre. Die weltberühmte Designschule Bauhaus Dessau wurde 1932 von der Nationalsozialistischen Partei geschlossen. In den Archiven ruhten deshalb bis heute die unvollendeten Meisterwerke der Designer Xanti Schawinsky, Joost Schmidt, Carl Marx, Alfred Arndt und Reinhold Rossig. 

»Hidden Treasures of Creativity ist ein fortlaufendes Projekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, verlorengegangene kreative Geschichte wiederzubeleben, um aktuelle Generationen zu inspirieren. Im vergangenen Jahr arbeitete Adobe mit dem Munch Museum und dem weltweit führenden Experten für Photoshop-Pinsel, Kyle T. Webster, zusammen, um die Pinsel von Edvard Munch nachzubilden. Zehntausende Menschen haben die Pinsel heruntergeladen und sich vom alten Meister inspirieren lassen. Dieses Jahr würdigt Adobe den ungebrochenen Einfluss des Bauhaus, dessen Ziel es war die Zukunft neu zu denken, in alltägliche Kreativität zu entfalten, um die Moderne in allen ihren Anforderungen zu gestalten – dazu gehörte von Anfang an auch Typographie und Design, was uns bis heute zu Innovation antreibt. Wir hoffen, dass wir durch die Übertragung dieser verborgenen Schätze in die heutige Zeit viele Kreative damit inspirieren können«, erklärt Sabina Strasser, Head of Brand Marketing, EMEA bei Adobe.

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