Amit Trainin im Interview

Illustration aus Tel Aviv

Autor: Heinrich Raatschen

In dieser Serie mit Illustratoren und Illustratorinnen aus Tel Aviv stellen wir euch die spannendsten israelischen Kreativen im Bereich Grafikdesign, Animation und Illustration vor. Der Start waren Interviews mit Rutu Modan und Itamar Daube. Weitere folgen.

Amit Trainin schreibt auf seiner Portfolio-Website: »Ich bin ein israelischer Illustrator, der Menschen, Bäume, Frösche, Städte und zahllose andere Kleinigkeiten zeichnet.« Und es stimmt, einige seiner bisher acht Kinderbücher handeln von Menschen und Fröschen. Aber sein letztes Kinderbuch beschreibt die Abenteuer einer Schildkröte – »Tot the Tortoise in Emek Refaim«, mit Text von Dafna Ben-Zvi. Amit illustriert auch für führende israelische Zeitungen wie Yedioth Ahronoth, Maariv und Haaretz sowie für internationale Zeitschriften wie das New York Magazine. Er nimmt häufig an Ausstellungen und Workshop-Projekten teil, zuletzt am Kooperationsprojekt Art BnB in Jerusalem. Von 2005–2016 war Amit Lehrer für Illustration an der Bezalel Academy of Arts and Design, Jerusalem, wo er seinen Abschluss machte, und 2006–2016 Leiter der Abteilung für visuelle Kommunikation an der Minshar Art School, Tel Aviv.

Welches war das letzte Gemeinschaftsprojekt, an dem du teilgenommen hast?

Art BnB war ein zehn tägiges Projekt, das von der Stadtverwaltung Jerusalem im Dezember 2018 organisiert wurde. Für das Jerusalemer Projekt haben wir Outdoor-Kunstwerke auf Fensterscheiben gemalt. Es ging um Geschichten, die den Jahreszeiten entsprechen. Es haben israelische, deutsche, amerikanische, portugiesische und polnische Künstler teilgenommen. Wir wohnten zusammen in einer riesigen Einrichtung, wie einer Big Brother Wohnung. Art BnB ist Teil der Bemühungen von Jerusalem, einen Platz in der Kunstwelt zu bekommen.

Würdest du uns etwas über die French Design Week an der Bezalel Academy erzählen?

Sie ist Teil der Saison France Israel, die von der französischen Botschaft, dem Institut Français und dem französischen Kulturministerium mit 120 Veranstaltungen in ganz Israel organisiert wird. An der Bezalel Academy habe ich meinen Illustrationsschülern eine Aufgabe gestellt. Die Studenten sollten in einem Tagebuch einen imaginären Besuch in Paris beschreiben. Sie arbeiteten drei Tage lang vor Ort, das Ergebnis waren Reisebücher und eine Ausstellung. Außerdem gaben fünf französische Künstler während der French Design Week Workshops an der Bezalel Academy.

Für die Tel Aviv Illustration Week im November 2018 hattest du ein Projekt in Jaffa?

Das war eine großartige Erfahrung. Es war ein Projekt zusammen mit den Künstlern Itzik Rennert und Yana Bukler – jeder von uns wählte ein Thema aus dem Bereich Familie. Einige Geschichten entwickelten sich rund um familiäre Erinnerungen im Zusammenhang mit dem Holocaust, andere, wie meine, entwickelten sich aus der Erfahrung einer Jugend im Kibbuz. Du weißt, dass Kinder in den Kibbutz-Kinderhäusern versorgt werden, getrennt von ihren Eltern. Als Kind hast du von den Kibbuz-Pädagogen zum Teil schreckliche Sätze gehört. Das Publikum konnte sich sofort damit identifizieren, weil viele es selbst erlebt haben. Die Tel Aviv Illustration Week wird von der Stadt Tel Aviv organisiert, aber die Künstler kommen aus ganz Israel.

Erzähl uns vom Negotiation Matters Workshop mit dem Goethe-Institut Tel Aviv.

Es begann im Mai 2018 mit einem viertägigen Workshop an der Universität der Künste in Berlin. Ich bin mit den Studenten hingefahren. Wir haben die Themen der politischen Verhandlungen entwickelt, die in der Ausstellung präsentiert werden sollten. Die Idee ist, dass Verhandlungen die Welt vielleicht mehr verändert haben als bewaffnete Konflikte, aber Geschichtsbücher und populäre Erzählungen konzentrieren sich tendenziell auf letztere. Organisiert wurde es vom Goethe-Institut Tel Aviv und dem Institute for National Security Studies (INSS) in Israel.

Kannst du uns etwas zur Idee hinter dem Projekt Negotiation Matters sagen?

Mein Poster stellt das »Karfreitagsabkommen« vor, mit dem der lange Nordirland-Konflikt 1998 beendet wurde. Ich habe mich entschieden, beide Seiten des Konflikts darzustellen und dafür den berühmten Irish River Dance als Symbol für Harmonie, Gleichheit und Frieden zu verwenden. Das Poster wurde in Linolschnitt erstellt, um die große Tradition dieser Technik zu würdigen. Als Israeli kann ich nur hoffen, dass wir bald auch hier ein eigenes »Karfreitagsabkommen« haben werden.

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