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Dynamic Font Day 2018

Rückblick

Author: Alex Staudt

Als der Begriff »Variable Fonts« im Herbst 2016 zum ersten Mal gefallen ist, war der Dynamic Font Day die erste Konferenz, die dieses gemeinsame Projekt von Adobe, Apple, Google und Microsoft ausführlich diskutierte. Zwei Jahre später war es nun an der Zeit, zu überprüfen und zu sehen, welche neuen Updates, Chancen und Risiken das Thema mit sich bringt. Am vergangenen Samstag fand der eintägige Dynamic Font Day 2018 in der Deutschen Meisterschule für Mode / Designschule München statt. Kuratiert wurde er in diesem Jahr von Tim Ahrens, Antje Dohmann und Oliver Linke, die das Programm am Morgen eröffneten.

Als erster Sprecher kam der »Web-Typografie-Guru« Gerrit van Aaken auf die Bühne, der in einem sehr kurzweiligen Vortrag Tipps & Tricks rund um den Einsatz von Webfonts gab /Thema Ladezeitenverkürzung, Licensing, etc.). Interessant waren das Resultat: Heutzutage unterstützen alle Browser Webfonts, die Screenausflösung ist ausreichend groß, das Licensing fair und die angebotenen OpenType-Features bereit um genutzt zu werden!

Marlene Rudolph stellte ihre Erkenntnisse, die sie im Rahmen ihrer Masterarbeit (2017) über die Möglichkeiten und Auswirkungen von Variable Fonts erhalten hat, vor.

June Shin studierte Grafikdesign an der Rhode Island School of Design und geht nun bei Occupant Fonts (Marke von Morisawa) ihrer Passion nach, Schriften zu gestalten. Neben ihrer Rolle als Schriftdesignerin pflegt sie ihre Grafikdesign-Praxis und zeigte in ihrem Vortrag verschiedene, analoge Arbeiten, die eine Brücke zwischen Typografie und Grafikdesign schlagen.

Rasmus Michaëlis und Torsten Lindsø sind Schriftgestalter aus Kopenhagen und Inhaber der Typenlabels Kontrapunkt. Warum Variable Fonts einsetzen? Sie lieferten ein schönes Beispiel dafür – ihre Arbeit für Goertek, einem Audio-Tech-Unternehmenb aus China. Sie entwickelten in Zusammenarbeit mit dem Nippon Design Center of Japan einen Sound-sensitiven Font, der auf sich je nach Geräuschpegel verändert. Dies konnte das Publikum im Livetest überprüfen.

Just van Rossum lehrt an der KABK in Den Haag im Master Type & Media und arbeitet an der Schnittstelle von (typografischem) Design und Programmierung. Nachdem er zuletzt von programmierten Animationen fasziniert war, arbeitete er mit Hansje van Halem an der Identität des Lowlands Festival zusammen, das er in seinem Vortrag präsentierte.

Irene Vlachou ist Schriftgestalterin und Beraterin für alles rund um griechische Schrift. Sie ist Teil von Type Together, wo sie sich zuletzt intensiv mit dem Ausbau der Protipo Schriftfamilie zum Variable Font beschäftigte. Die Schwierigkeiten und den Weg dorthin stellte sie in ihrem Vortrag vor.

Andrew Johnson ist Designer aus Boston und experimentiert mit Schriften die auf ihre Umgebung reagieren: Livefonts! Diese reagieren zum Beispiel auf einen sich nähernden Betrachter und verändern entsprechend ihre Form. Genauso könnten Livefonts in Zukunft auf unbekannte Medien und kleine Display reagieren oder auf Sprache und Effizienz.

Zu guter Letzt zeigten Akiem Helmling und Bas Jacobs von Underware auf humorvolle Weise, wie aus ihrer international bekannten Script-Schrift Bello, eine selbstschreibende Bello Write. Dafür erklärten sie anschaulich, wie man Variable Fonts programmiert bzw. die Wege der Punkte vorgeben muss, damit die korrekte Bewegung dargestellt wird. Dass man dies auch auf komplizierte Schriftzeichen mit knapp 60 Pinselstrichen adaptieren kann, war nur ein gelungener Abschluss ihres Vortrags und des Dynamic Font Days 2018.

Der Dynamic Font Day ist eine 2-jährliche Konferenz, somit sind wir gespannt, was uns 2020 erwartet!

dynamicfontday.com