Humanity vs. Artificial Intelligence – ADC DESIGN Experience / Rückblick

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Welche Rolle spielen die Kreativen im Spannungsfeld zwischen analogem Handwerk und digitaler Automatisierung? Wo wird die Technologie überschätzt und wo unterschätzt? Welche Hürden wird es zukünftig zu überwinden gelten und wo kann Technologie den Planeten retten?

Die Konferenz Humanity vs. Artificial Intelligence des Art Directors Club Deutschland, moderiert von Heinrich Paravicini, lud am 13. September 2018 zur Diskussion u.a. dieser Fragen ein und gewährte durch vielseitige Vorträge einen Einblick in die Gegenwart und einen Ausblick in die Zukunft. Hierfür wurden Experten aus den Bereichen Technologie, Entwicklung, Kommunikation und Gestaltung mit ins Boot geholt, die die Thematik aus verschiedenen Perspektiven beleuchteten. Wir waren für euch vor Ort, um ein paar Eindrücke vom Konferenz- und auch vom daraffolgenden Workshoptag zu sammeln. 

Ort des Geschehens bildete das Neue Schloss, das zentrale und monumentale Herzstück der Stadt Stuttgart. Inmitten von Stadtgeschichte und Zeitgeschehen, zwischen Prachtbauten und Einkaufspassagen hinterfragten Sprecher, wie Dr. Florian Röhrbein (Leiter Intelligente Systeme, Alfred Kärcher SE & Co. KG) und Philipp Thesen (Professor für Mensch-System-Interaktion, Hochschule Darmstadt) welche Rolle der Designer zwischen Mensch und Technologie einnehmen wird und wie sich die künstliche Intelligenz (KI) auf die Berufswelt des Gestalters auswirken kann.

Matthias Amm (Product Category Director, adidas Running) veranschaulichte beispielsweise anhand der neuesten Sneaker Modelle von adidas, wie mit Hilfe fortschrittlicher Technologie ein Faden hergestellt werden kann, der aus recyceltem Plastikmüll besteht und der Problematik des Plastikmülls in den Ozeanen entgegenwirken könnte. Die Technologie als Retter des menschlichen Versagens?

Der Illustrator und Urban Artist Mark Gmehling eröffnete das Rennen: Mensch gegen Maschine. Dabei orientierte er sich ausschließlich an seiner Erfahrung als Kreativer. Ohne Zweifel erklärte er den Menschen als klaren Sieger des Wettkampfs. Die Maschine bleibt, laut Gmehling, das Werkzeug des menschlichen Vorstellungsvermögens und ist nicht der Schöpfer von Witz, Empathie und Leidenschaft.

Der Bereich Print, repräsentiert durch Vera Schroeder, Redaktionsleiterin der Süddeutsche Zeitung Familie, und den Art-Direktorinnen der FAZ Quarterly, Catrin Sonnabend und Julia Vukovic, stellten sich der Frage, ob Qualitätsjournalismus rein analog sei. Inhaltlich sei unter den Medien nicht zu unterscheiden, darin waren sich alle einig, hier funktioniert Papier wie Bildschirm. Der Unterschied bleibe im lustvollen Lesen mit allen Sinnen, welches durch Veredelungen, Druck und Wahl des Materials die haptische Qualität und den Wert des Inhaltes unterstützt und verdeutlicht. Somit würde das analoge Medium auch nie aussterben, so hofft man zumindest.

Während der Vorträge war es möglich, entweder direkt oder mit technischer Hilfe einer App Fragen an die Referenten zu stellen und diese zu Voten oder den Vortrag zu kommentieren.

Auch stellte der ADC während der Veranstaltung sein neues Corporate Design vor. Anstatt des markanten Magenta-Sterns, besannen sich die Gestalter, unter der Leitung von Heinrich Paravicini und Anja Steinig, auf den Markenauftritt von 1964: ein optimiertes, flexibles und rein typografisches Logo, bestehend aus den drei Initialen A,D und C.

Nach den Eindrücken und Informationen des Vortages ging es am 14. September in der Galerie Kernweite im Creative-Café-Ambiente mit einer kleineren Gruppe von Gestaltern und Fach-Interessierten der Branche mit Workshops in die praktische Umsetzung des Themas »Creative Environments«.

Vier exzellente ReferentInnen leiteten dabei die Gruppe mit ihrer Expertise durch den Tag. Den Auftakt übernahm die Architektin Nicole Gietz-Haslinger, Member of Management bei dan pearlman in Berlin. Mit der Frage, warum der Raum heute überhaupt noch von Bedeutung sei, wenn man mit Hilfe technischer Mittel von überall aus arbeiten oder einkaufen gehen kann, erläuterte sie die Sinnhaftigkeit von dem »New Work-Konzept«. Hierbei gilt es, die Arbeitswelt von innen nach außen wirken zu lassen und herkömmliche Strukturen zu überdenken und zu hinterfragen.

Unter der Leitung von Toni Piskac (Head of Workplace Consulting & Space Planning, Vitra International AG) analysierten kleinere Arbeitsgruppen jeweils ein Szenario, wie sich ein Büro nach verschiedenen Bedürfnissen und in seiner Ganzheitlichkeit einrichten und strukturieren lässt. 

Kommunikationskultur spielt in einem Arbeitsumfeld eine wichtige Rolle. Um ein Verständnis für die verschiedenen Typen und Verhalten von Menschen zu entwickeln, durften die Teilnehmer im Vortrag von Johanna Schirm, Senior PR-Managerin und Kommunikationstrainerin, sich selbst auf den Zahn fühlen und ihre eigenen Verhaltensstile auswerten. 

Wie sich im Arbeitsalltag mit Hilfe spielerischer Methoden ein Arbeitserlebnis integrieren lässt, war das Thema des letzten Vortrags der Veranstaltung von Arno Selhorst (Manager Experience Design, Publicis.Sapient), der seinen Mitarbeitern einen ausgefeilten Streich spielte, um ihnen so den Reiz von und den Spaß an Games zu vermitteln.

Insgesamt erhielten die Teilnehmer einen höchst umfassenden Eindruck und sehr viel Inspiration, sich mit der Thematik in ihrem eigenen Arbeitsumfeld auseinanderzusetzen und es nicht als separierten grauen Raum, sondern eher als ein tägliches und offenes Arbeitserlebnis zu verstehen.

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