FURE – The Future of Reading

FURE – The Future of Reading 2019 / Rückblick

Autor: Clara Weinreich

Am 22. November 2019 waren wir in Münster um an der FURE Konferenz teilzunehmen. FURE – The Future of Reading bietet nun schon zum dritten Mal mit einer bunten Mischung von Vortragenden eine Plattform zur Diskussion folgender Fragen: Welche neuen Rollen kann Print in Zeiten der Digitalisierung einnehmen? Welche Ideen und Möglichkeiten gibt es beim digitalen Lesen? Wie verändert sich dadurch unser Leseverhalten? Wie kann sich Lesen gegen andere kulturelle Techniken wie Spielen, Zuhören oder Zuschauen durchsetzen?

Die Konferenz fand im Gebäude der Fh Münster MSD – Münster School of Design statt. Die beiden Gastgeber Rüdiger Quass von Deyen und Patrick Marc Sommer begrüßten die ca. 200 Teilnehmer und kündigten die vielfältigen Vorträge von Sprechern wie Rayan Abdullah, Henning Skibbe, Malin Schulz und Frances Uckermann an.

Boris Kochan, Präsident der GRANSHAN Foundation für nicht-lateinische Typografie, Vorsitzender des Beirats- und Ehrenmitglied der tgm und geschäftsführender Gesellschafter der Branding- und Designagentur KOCHAN & PARTNER, eröffnete das Programm mit einem inspirierenden Vortrag über die heutigen Ansprüche an Typografie und die Wichtigkeit jedes einzelnen Buchstabens.

Auch in den Vorträge von Markus Elsen, Director Content Creation und Mitglied des Managements bei Publicis Pixelpark, und Philippe Großmann, Gründer und Geschäftsführer der Performance Marketing Agentur keyperformance aus Köln, wurden die Veränderung der Lesemuster durch die digitalen Medien thematisiert. Wie verlaufen Lesemuster im Web und wie nehmen junge Menschen heute Informationen auf? Das Internet hat das Lesen verändert, aber was können Medienschaffende machen, damit Inhalte weiterhin gut vermittelt werden können?

Wie Typografie auf Lernende wirkt, erforscht die Germanistin und Biologin Rosalie Heinen. Ihre Arbeit beinhaltet die Forschung zum Verhalten und der Nutzung von Schulbuchtexten auf Kinder. Dabei fand sie heraus, dass neben der Sprache auch Typografie und Grafik und deren Zusammenspiel bei Kindern für die Aufnahme von Informationen von Bedeutung sind.

Rosalie Heinen war neben Saskia Kraft, Albert-Jan Pool, Björn Schumacher und Roland Stieger eine der Vortragenden, die durch die Schilderung ihrer Arbeit am Buch Lesbar: Typografie in der Wissensvermittlung neue Erkenntnisse in der Lesepädagogik mit zur FURE brachten.

Auch Leonie Schäffer, eine Kommunikationsdesign Master-Absolventin der MSD, brachte sich mit ihrer Abschlussarbeit in der Leseforschung ein. Sie entwickelte eine App, die sich an Menschen mit Legasthenie richtet. Dadurch schafft sie ein Angebot, dass den Betroffenen das Lesen wieder näher bringen soll. Da Legasthenie nicht heilbar ist und Lesen in unserer Gesellschaft als grundlegende Fähigkeit betrachtet wird, sind Legastheniker oft benachteiligt.

Nach einer ausführlichen Mittagspause und dem Vortrag von Saskia Kraft führte Rayan Abdullah das Programm des Nachmittags mit einem mitreißenden Vortrag über seine Arbeit als Professor an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig fort. Er startete vor einigen Jahren ein Programm, dass es geflüchteten Gestaltungsstudenten ermöglicht, ihr Studium an der HGB weiterzuführen.

Der Designer der kürzlich veröffentlichten Schrift NewsSans und der Gründer des Schriftenverlags character type foundry, Henning Skibbe präsentierte seine Vorstellung vom Universe of Type Design und erläuterte seine Beobachtungen der letzten Entwicklungen in der Schriftgestaltung.

Den gelungenen Abschluss des Tages machten die beiden Kreativ-Direktorinnen Malin Schulz (ZEIT) und Frances Uckermann (STERN). Sie sehen sich vor die Herausforderung gestellt, die Menschen weiterhin mit Printmedien zu begeistern. Dabei vertreten sie die Einstellung, dass spannende Geschichten, die aus hervorragender journalistischer Arbeit entstanden sind und dann mit Hilfe herausragender Gestaltung kommuniziert werden, auch weiterhin zur Entscheidung der Leser gegen gratis online Nachrichtendienste und zum Griff zu Zeitungen und Magazinen führen wird.

Alle Vorträge an diesem Tag machten deutlich, welche wichtige Rolle Typografie und Design beim Thema Lesen spielen. Besonders die heutigen Ansprüche an Typografie in den digitalen Medien führen global zu einer extremen Veränderung des Leseverhaltens. Darauf müssen Designer, Typografen und Schriftgestalter reagieren. Die FURE Konferenz trug mit ihren interdisziplinären Beiträgen dazu bei, dass dieses Thema näher an heutige Gestalter herangetragen wird und dabei die Sensibilität für Details wächst. Denn Designer spielen in der modernen Wissensvermittlung eine wichtige Rolle und damit wächst auch deren Verantwortung.

FURE – The Future of Reading

Fure-2019-Slanted_02 Fure-2019-Slanted_03 Fure-2019-Slanted_04 Fure-2019-Slanted_06 Fure-2019-Slanted_09 Fure-2019-Slanted_10 Fure-2019-Slanted_11 Fure-2019-Slanted_08 Fure-2019-Slanted_13 Fure-2019-Slanted_12 Fure-2019-Slanted_14 Fure-2019-Slanted_16 Fure-2019-Slanted_17 Fure-2019-Slanted_18 Fure-2019-Slanted_19 Fure-2019-Slanted_20 Fure-2019-Slanted_21 Fure-2019-Slanted_22 Fure-2019-Slanted_23 Fure-2019-Slanted_24 Fure-2019-Slanted_25 Fure-2019-Slanted_26 Fure-2019-Slanted_27 Fure-2019-Slanted_29 Fure-2019-Slanted_30 Fure-2019-Slanted_32 Fure-2019-Slanted_33 Fure-2019-Slanted_34 Fure-2019-Slanted_35 Fure-2019-Slanted_36 Fure-2019-Slanted_37