Typeface of the Month: Lawabo

von Schriftlabor

Autor: Isabella Krüger

Detailverliebte technische Umsetzung und umfangreicher Ausbau in Kombination mit verspielten Rundungen macht unser Typeface of the Month im Dezember zu einer ganz besonderen Serifenlosen.

Für den ursprünglichen Entwurf der Lawabo hat Schriftlabor-Gründer Rainer Scheichelbauer vor vielen Jahren verantwortlich gezeichnet, dann verschwand sie vorerst in der Schublade. Schriftlabor-Gestalterin Miriam Surányi hat sich der Lawabo 2017 angenommen, sie um die Fetten und Kursiven erweitert und schließlich eine Familie mit insgesamt zwölf Schnitten produziert. Die minimalistischen und gerundeten Formen erinnern an Badezimmerkeramik. Daher auch der Name: »lavabo« ist das Wort für »Waschmuschel« in vielen romanischen Sprachen.

Kleine Rundungen stellen eine besondere Herausforderung in der modernen Schrifttechnik dar. Kurz zusammengefasst (wir möchten euch die mathematischen Details ersparen) verursachen die Rundungen in der Interpolation oft kleine Knicke, außerdem können Rundungsfehler die Kurvengenauigkeit beeinträchtigen. Beide Probleme sind in einem gerundeten Design technisch nur schwer zu lösen. Tatsächlich scheitern die meisten Schriften des Genres auch an ihnen. Die Ecken der Lawabo wurden jedoch erst nach der Interpolation gerundet (statt davor). Außerdem wurde für die Interpolationen ein feinerer Raster verwendet. So konnten die Designer beide Schwierigkeiten erfolgreich in der Konstruktion der Schrift meistern.

Die niedrige Versalhöhe erleichtert unter anderem die Unterscheidung zwischen großem I und kleinem l. Wörter wie »Illusion« oder »Illustration« werden dadurch besser lesbar als in den meisten Serifenlosen. Jeder Lawabo-Schnitt enthält nicht weniger als 850 Glyphen, die ganze 12-köpfige Familie zählt also mehr als zehntausend Glyphen. Lawabo bietet kombinierende Akzente, wodurch der Nutzer beliebige Akzente mit beliebigen Buchstaben kombinieren kann: sogar einen ungarischen Doppelakut mit einem x, wenn es sein muss. In jedem Schnitt kann der Nutzer Kapitälchen setzen, zwischen neun Ziffernarten wählen und in mehr als 210 Sprachen schreiben. Die Lawabo hat auch das große scharfe . Weil allerdings praktisch alle Tastaturen noch keine entsprechende Taste haben, gibt es eine schrifttechnische Lösung: Wenn ihr ein kleines ß nach oder zwischen zwei Großbuchstaben tippt, wandelt ein OpenType-Feature es automatisch in seine versale Form um.

Schriftlabor ist eine Wiener Schriftenschmiede, die sich auf digitales Stempelschneiden und Hausschriftsysteme spezialisiert hat. Seit 2017 bietet das Schriftlabor auch Schriften zur Lizenzierung an.

Lawabo

Schriftverlag: Schriftlabor
Designer: Rainer Erich Scheichelbauer und Miriam Surányi
Veröffentlichung: 2017
Format: OTF, TTF, Webfonts
Schnitte: Regular, Medium, Semibold, Bold, Extrabold, Black; jeweils aufrecht und kursiv
Preis: 229,– €, im Dezember um 20% reduziert!

Die Lawabo steht zum Verkauf auf MyFonts, YouWorkForThem und Fontspring bereit und ist im Dezember 20 % reduziert. Auf Fontown kann man die Schrift auch mieten.


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