Melnikov Haus Moskau

Melnikov-Haus Moskau

Author: Julia Kahl

Während meines Aufenthalts in Moskau im Rahmen des Projekts bauhaus imaginista, bot sich mir die Möglichkeit, an einer der seltenen Führungen im berühmten Melnikov-Haus (1928–1931) teilzunehmen. Das Haus, welches erst im vergangenen Jahr der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, wurde von Konstantin Stepanowitsch Melnikow (1890–1974) entworfen, der als einer der Vertreter der russischen Avantgarde gilt.

Er war ein sowjetischer Architekt, der an der Moskauer Staatlichen Künstlerisch-Technischen Meisterschule und am Architekturinstitut lehrte und sich u.a. durch den Entwurf des Sarkophags für das Lenin-Mausoleum und den Bau des sowjetischen Pavillons auf der Kunstgewerbeausstellung 1925 in Paris einen internationalen Namen gemacht hat. Das Melnikov-Haus, bestehend aus zwei Zylindern mit über 300 qm Wohnfläche, war das Wohnhaus Melnikovs und steht in der Moskauer Kriwoarbatski-Gasse im Arbat-Viertel.

Seine Entwürfe, die auf einem hohen, technischen Niveau beruhen, hinterfragen immer wieder die Grundprämisse der Funktionalität und erinnern häufig an abstrakte Skulpturen. Die knapp 60 sechseckigen Fenster sind nur teilweise wirklich nutzbar, manche gehen nur einen kleinen Spalt weit auf und sind auch entsprechend schlecht zu reinigen. Im Atelier kann man die Fenster teilweise komplett entnehmen. Auch Einflüsse Wladimir Tatlins und dessen Konstruktivismus waren sichtbar. Die Einrichtung ist im Gegensatz zum Gebäude sehr klassisch.

Mitte der 30er Jahren kam Kritik an Melnikovs »Fantastereien« auf, wodurch er viele seiner Entwürfe nicht mehr realisieren konnte. Er lebte zurückgezogen und trat erst 1964 wieder mit einem Wettbewerbsbeitrag für den Pavillon zur Weltausstellung 1967 in Montréal an die Öffentlichkeit.