TOCA ME 2019

Rückblick von Florian Greßhake

Autor: Julia Kahl

Leicht flackernd geht das Licht aus, das Stimmengewirr endet, auf der Leinwand startet ein Video, die Lautsprecher dröhnen. Eindrucksvoll eröffneten am 9. März die Opening Titles die diesjährige TOCA ME in der ehrwürdigen, retro-futuristischen Alten Kongresshalle von München. Die Designkonferenz hat sich über die Jahre zu einem alljährlichen Höhepunkt im Terminkalender der Münchner Design- und Kreativszene entwickelt. Aber auch über die Stadtgrenzen hinaus besitzt sie große Strahlkraft, was sich vor allem anhand der illustren Auswahl der Künstlerinnen und Künstler bemessen lässt, die von Ihrer Arbeit berichten. Wie die Jahre zuvor ist die TOCA ME bis auf den letzten Platz ausverkauft.

Die sehenswerten Opening Titles »Morphegenesis« stammen aus der Feder des Motion Designers Florent Schirrer alias Hello I’m Flo. In einem verstaubten und vollgestellten Labor arbeitet ein Wissenschaftler mithilfe einer Uralt-Software sowie diverser Tinkturen und Instrumentarien an der Erschaffung eines neuen Wesens. Die Kamera fährt über vollgeschriebene Notizzettel und Gläser, die in Formaldehyd eingelegte Gehirne enthalten. Zwischen all diesen Utensilien sind die Namen der Speaker eingebaut, die den Konferenztag der TOCA ME damit füllen werden, ihre Arbeiten vorzustellen.

So wie es in der Eingangssequenz um die Erschaffung einer neuen Kreatur geht, steht auch in den Vorträgen der Aspekt im Vordergrund, wie die Vortragenden ihr Profil als Designer*innen entwickelt haben. Den Auftakt gibt der in England beheimatete Grafikkünstler Anthony Burrill, der vor allem durch sein Plakat mit dem Auftdruck »Work Hard & Be Nice to People« bekannt geworden ist. Burrill schreckt in seiner Arbeit, wie er eindrucksvoll zeigte, auch nicht davor zurück, eine komplette historische Straßenwalze im Letterpress einzusetzen.

Ein Highlight war die Präsentation der Londoner Filmschaffenden Anna Ginsburg. Ginsburg ist vor allem durch ihre animierten Dokumentationen und ihre Werbespots für Unternehmen wie John Lewis bekannt geworden. Auf der TOCA ME stellte sie unter anderem ihre Kurzfilmproduktion zum letztjährigen Weltfrauentag vor, die die Entwicklung von Frauen-Schönheitsidealen von der Steinzeit bis in die Gegenwart thematisiert.

Evan Roth nahm in seinem anschließenden Vortrag das Publikum mit in einen Bereich, der jenseits der normalerweise Sehbaren liegt. Durch Technik-Hacks hat er das Farbspektrum seiner Kamera verschoben. Es entsteht eine rotleuchtende Welt, die Roth bewusst entschleunigt präsentiert. Sein Vortrag beeindruckt besonders durch die aufwendige Recherchearbeit, die der Künstler in seine Arbeit investiert hat. Groß war auch die Vorfreude auf Annie Atkins, die für Wes Andersons Film »Grand Hotel Budapest« sämtliche grafischen Requisiten entworfen hat. Detailreich und absolut unterhaltsam erklärte sie ihre Vorgehensweise, und gab amüsante Einblicke, wo überall Stolperfallen in der Filmproduktion lauerten. Mit James Paterson ging eine äußerst abwechslungsreiche und spannende TOCA ME 2019 zu Ende.