typo st.gallen

Tÿpo St.Gallen – Balance

Rückblick

Autor: Sebastian Schubmehl

Schon zum fünften mal fand am Wochenende des 8. bis 10. November die Tÿpo St.Gallen statt, bei der dieses Mal das Thema Balance im Mittelpunkt stand. Balance zwischen Arbeit und Freizeit, zwischen Schrift und Weißraum, zwischen Freiheit und Regeln. Was ist eine gute Balance, wie erreicht man sie, was zeichnet sie aus, was hat sich bewährt, um sie zu erreichen und was hat das alles mit Typografie zu tun? Die zahlreichen Sprecher versuchten, diese Fragen zu beantworten und teilten ihre eigenen Erfahrungen mit etwa dreihundert Gästen in der Schule für Gestaltung St.Gallen.

Clemens Theobert Schedler, der routiniert, hochgradig unterhaltsam und interessiert die gesamte Veranstaltung moderierte, führte auch die Gäste in die bevorstehenden drei Tage ein. Sabine und Hans Bockting stellten in dem ersten Vortrag der Typo St.Gallen ihre eigenen »Gesetze des Dschungels« vor und thematisierten ihre langjährige gemeinsame Arbeit. Christopher Burke ließ die Teilnehmer an seiner Recherche zum Typografen Gerard Unger, der beispielsweise Schriften für die Beschilderung der Metro in Amsterdam entworfen hatte, teilhaben und verschaffte einen guten Überblick über Ungers Schaffen. Monika Malsy ließ uns an ihrem ganz persönlichem Balanceakt zwischen Intimität und Professionalität teilhaben und erzählte detailliert über ihre Arbeit für und mit dem Fotografen Elger Esser, mit dem sie zehn Bücher publizierte. Sebastian Bayer, Andreas Hänggi, Pascal Hartmann und Vera Kaeser, die sich in ihrem Studium an der ZHdK kennenlernten, stellten ihre gemeinsame Abschlussarbeit vor, »Plakat 9:16 10s«. Das klassische Schweizer Tourismusplakat wurde in ein bewegtes Plakat übersetzt und der Weg von der ersten Idee bis zur Finalisierung wurde dokumentiert. Den Abschluss des Abends bildete Jost Hochuli, der in einer Vernissage seine Publikation, die sich mit seinem langjährigen Freund, dem kürzlich verstorbenen Typografen Max Koller beschäftigt, vorstellte. Zusätzlich dazu durfte jeder der Teilnehmer eines dieser Büchlein mit nach Hause nehmen. Danke Jost Hochuli!

Den ersten Programmpunkt des zweiten Tages bildeten vier Kurzvorträge von je fünfzehn Minuten. Kurt Dornig sprach über »Lork/Wife – die Unmöglichkeit Arbeit und Leben zu trennen.« und trifft damit den Kern des Themas der diesjährigen Tÿpo St.Gallen perfekt. Nina Paim und Corine Gisel ließen uns an ihrer umfassenden Recherche zur Historie des Niggli Verlags teilhaben und stellten die Frage, was ein Verlagshaus überhaupt ausmacht. Judith Holly’s Vortrag »Pashkevilim in Mea Schearim: Inno­vation vs. Tradi­tion, Konzept vs. Impro­visation, Produk­tion vs. Reflexion« präsentierte ihre Forschungsergebnisse zu dem Medium des Pashkevil, ein einseitig bedrucktes Flugblatt oder Plakat. Novelle Noire wollten ursprünglich zu zweit auftreten, krankheitsbedingt wurde es ein Balanceakt zwischen nur einer Person und des Publikums. Die Arbeit mit einem Schriftentwurf von Jost Hochuli, den sie zu dritt bearbeiteten und digitalisierten, stand im Vordergrund. Verena Panholzer vom Studio Es in Wien sprach unter dem Motto »Id, ego, super-ego« über die Balance zwischen der Außenwahrnehmung und dem Selbst. Die Jungdesignerinnen Lilo Schäfer und Anika Kunst berichteten ausführlich von ihrer aktuellen Erfahrung im Berufseinstieg und der Notwendigkeit, Dinge auszubalancieren. Hans-Peter Kaeser sprach über Schrifthistorie, der Type Designer Jacques Le Bailly über dem Wandel der Nunito Sans zur Variable font und Mireille Burkhardt von Studio BOB über »London—Zürich« über Balance in ihrem Beruf. Den Abschluss der Vorträge bildete Andreas Uebele mit der gleichermaßen unterhaltsamen und informativen Präsentation zu der Arbeit des Büro Uebele unter dem Thema »Konsequent inkonsequent«. Ein gemeinsamer Workshop mit Clemens Schedler, Anika Kunst, Lilo Schäfer und Sonja Frick »Selbst und/oder ständig arbeiten?!« war der letzte Programmpunkt vor dem gemeinsamen Ausklang in der Militärkantine St.Gallen.

Den Sonntagmorgen verbrachte der größte Teil der Teilnehmer gemeinsam im Sitterwerk in St.Gallen bei einem Einblick in die beeindruckende Bibliothek, Materialbibliothek und eine Ausstellung der Werke von Jost Hochuli, mit abschließendem Vortrag von Angela Kuratli, Roland Früh, Corina Neuenschwander, Martin Leuthold, Jonas Niedermann, Roland Stieger und Jost Hochuli. Balanceakt gelungen.

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