Zetafonts Blacker Pro

Typeface of the Month: Blacker Pro

von Zetafonts

Autor: Isabella Krüger

Blacker Pro ist das Ergebnis einer Reise in die Geschichte der »Evil Serifs«, deren Ursprung bis in das 15. Jahrhundert zurück geht. Der italienische Schriftenverlag Zetafonts hat mit der Blacker Pro eine Schriftenfamilie entworfen, die eine sehr umfangreiche Auswahl an Styles, Weiten und Schnitten bietet und sich dadurch wie das »kleine Schwarze« in jedem Editorial- und Brandingprojekt als Allrounder einsetzten lässt.

Das Design von Blacker begann 2017 mit einer Recherche von Cosimo Lorenzo Pancini und Andrea Tartarelli über »wedge serifs«, bei denen Serifen mit einer einfachen dreieckigen Form vorkommen. Obwohl diese Serifen meist in modernen Schriften bedeutsam werden (der Stil war in Frankreich im 19. Jahrhundert besonders erfolgreich), geht ihr Ursprung auf die ersten humanistischen Serifenschriften zurück, die Nicholas Jenson im 15. Jahrhundert entwickelte und von einer breiten Federkalligraphie beeinflusst wurden.

Diese interessante Mischung aus geometrischer Konstruktion und kalligraphischem Ausdruck ermöglicht es Keilserifen sowohl die Eleganz und den Kontrast traditioneller alter Schriften als auch die schlichte Schönheit moderner Sans-Schriften auszudrücken. Wenn die Bedeutung bei der Gestaltung der Buchstaben auf das Äußerste gesteigert wird, entsteht ein visueller Stil, der von Jeremiah Shoaf als »Evil Serifs« (böse Serifen) definiert wurde, bei dem messerartige dreieckige Serifen mit hohem Kontrast und alten Serifenproportionen kombiniert werden.

Blacker wurde in diesem Sinne entwickelt und erfand die humanistischen Proportionen und ihre kalligraphischen Wurzeln mit einem starken Zusammenspiel von geraden Kanten und weichen Kurven neu und suchte nach einem kühnen Design, das sich frisch und klassisch zugleich anfühlt. Dies zeigt sich besonders deutlich in den Klein- und kursiven Buchstaben, die einen interessanten Gegenpol zu den geometrischeren Buchstabenformen der Großbuchstaben bilden sollen.

Sogar das Gewichtssystem wurde unter Berücksichtigung der hybriden Natur des Projekts entwickelt, so dass leichtere und schwerere Gewichte entworfen wurden, die verschiedene historische Einflüsse mischten. Die übergangsweise keilförmige Serifenform ist in den dickeren Styles besser erkennbar, während die dünnen Varianten den modernen Didones ähnlicher sind. Ein weiteres Merkmal von Blacker, das vom traditionellen Schriftschneiden abgeleitet ist, ist der Designunterschied zwischen der Standard-Display-Version – die in großen Punktgrößen verwendet werden soll – und der Text-Version, die modifiziert wurde, um eine bessere Lesbarkeit bei kleinen Punktgrößen zu ermöglichen.

Für Logos, redaktionelle und großformatige Designs bietet die Display-Version einen engeren Spurverlauf, einen höheren Kontrast und schärfere Ecken sowie eine Reihe von Ligaturen und alternativen Formen. Für ein angenehmes Leseerlebnis auf Bildschirm und Druck wurde die Textversion mit geringerem Kontrast und lockerem Abstand konzipiert und mit einer großen Auswahl an Notationsformen, offenen Merkmalen und Symbolen für die Handhabung von Mengentexten sowie einer unterschiedlichen Verteilung der Gewichte ausgestattet, um den mittleren Bereich mit subtiler Kontrolle der Schwärze des Textes zu erweitern.

Im Jahr 2019 wurde Blacker vollständig überarbeitet und um zwei Condensed- und drei Unterfamilien mit Titelvarianten erweitert, so dass die Blacker Pro-Familie nun insgesamt 69 Stile umfasst, alle mit einem erweiterten Zeichensatz, der über zweihundert Sprachen abdeckt, und drei verschiedene Schriftsysteme: Latein, Kyrillisch und Griechisch. Zu den offenen Merkmalen gehören Kapitälchen, Positionszahlen, Brüche, übergeordnete und untergeordnete Zahlen, alternative und case-sensitive Formen sowie Standard- und beliebige Ligaturen.

Blacker Pro ist Teil der Blacker Superfamilie und wird durch eine Sans-Version (Blacker Sans) und eine kontrastreiche »italienische« Version (Blackest) ergänzt.

Blacker Pro

Foundry: Zetafonts
Designer: Cosimo Lorenzo Pancini mit Andrea Tartarelli und Francesco Canovaro
Veröffentlichung: 2019
Format: Desktop, Web, App
Schnitte: 4 Familien – Display, Text, Sans und Serif:
Blacker Display, Blacker Display Condensed: Light, Regular, Medium, Bold, ExtraBold und Heavy, mit passenden Italics 
Blacker Text, Blacker Text Condensed: Light, Book, Regular, Medium, Bold and Heavy, mit passenden Italics 
Blacker Titling: Light, Regular, Medium, Bold, ExtraBold Italic und Heavy in Titling, Inline und Inline Diamond Varianten, nur in Großbuchstaben.
Preis: Einzelschnitte ab 25,– € (einige Schnitte kostenlos), ganze Familie (69 styles) ab 225,– €

 

Zetafonts Blacker Pro

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